Nun, was fällt Euch als erstes ein, wenn ihr an Kambodscha denkt? Bis vor kurzem kam mir da jeweils nur Angkor Wat in den Sinn, eine Tempelanlage der Superlative. Natürlich wollten wir uns diese
Top-Attraktion nicht entgehen lassen und machten uns im neuen Jahr auf nach Siem Reap, der Ausgangsstätte für Besuche der Tempel von Angkor. Siem Reap ist vieles, aber sicher nicht eine typisch
kambodschanische Stadt. Hier wimmelt es vor zahlungskräftiger Kundschaft, ein Boutiquehotel reiht sich ans nächste, in unzähligen Spas kann man entspannen, gute Restaurants weibeln um die Gunst der
Gäste und an der Pub Street geht es ähnlich zu und her wie an der Kao San Street in Bangkok. Für ein Abendessen in einem guten Restaurant gibt man schnell mal 30$ und mehr aus, wofür ein Khmer im
Durchschnitt einen halben Monat arbeiten muss. Die Tempel von Angkor und somit auch Siem Reap sind definitiv die touristischen Goldesel für Kambodscha. Nun, sie sind es auch zurecht, denn die Tempel
sind schlichtweg gigantisch. Es ist heute kaum vorstellbar, dass Kambodscha mit dem Khmer-Reich über eine so glorreiche Vergangenheit verfügt. Angkor war einst wahrscheinlich die erste Metropole in
Südostasien, eine Vielzahl von Tempeln und eine riesige verlassene Stadt zeugen davon. Besonders beeindruckend ist natürlich Angkor Wat, wohl das grösste religiöse Gebäude der Welt. Umgeben von einem
riesigen rechteckigen Wassergraben erhebt sich der Tempelkomplex über drei Ebenen. Die symmetrische Architektur, die Skulpturen und Bildhauerarbeiten sind faszinierend. Auch neben Angkor Wat gibt es
viel zu sehen. Da gibt es vom Dschungel zurückeroberte Tempel, die dem Besucher etwas mystisches, abenteuerliches vermitteln und von der Stärke der Natur zeugen, Tempel von welchen über 200
geheimnisvolle Gesichter auf einen herabstarren und reich verzierte Eingangstore zur ehemaligen Stadt, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Viele Tempel sind fest im Griff der täglichen
Besuchermasse, aber sobald man einige Schritte mehr als der Durchschnittsbesucher macht (und der ist oft ziemlich unsicher zu Fuss unterwegs) findet man so manch eine ruhige Ecke mit guten
Fotosujets. Wenn man genug hat von den vielen Tempeln lohnt sich sicher auch ein Besuch des Konzerts von Beatocello. Jeden Samstag tritt Dr. Beat Richner mit seinem Cello in Siem Reap auf, wo auch
eines seiner inzwischen sieben Kinderspitäler in Kambodscha steht. In den Spitälern von Dr. Beat Richner werden inzwischen rund 85% der kranken Kinder in Kambodscha betreut und dies kostenlos, da
eine Spitalbehandlung die meisten Familien finanziell ruinieren würde. Es ist beeindruckend was Beatocello in den letzten 20 Jahren mit seiner Beharrlichkeit, seinem Gerechtigkeitssinn und seiner
Leidenschaft für sein Lebenswerk geleistet hat und ich bewundere ihn dafür, dass er trotz vieler Hindernissen nicht den Mut verloren hat und weiterhin so vehement für eine bessere Zukunft der Kinder
in Kambodscha kämpft! Mit Siem Reap, den Tempeln von Angkor und einer langen Reise an die Grenze von Laos schliessen wir unsere Zeit in Kambodscha ab und sind gespannt uns was uns in Laos
erwartet.
Die Hauptstadt Kambodschas hat uns sehr gut gefallen. Es geht ruhig zu und her, es gibt viele einladende Lokale, super lokale Küche und auch einiges zu sehen. Neben dem prunkvollen Königspalast
mit der schönen Parkanlage erinnern aber auch das ehemalige Geheimgefängnis S21 und das Killing Field an das dunkle Kapitel in der jüngsten Geschichte Kambodschas - die Herrschaft der Roten Khmer
von 1975 - 78. Unvorstellbar, was in den knapp vier Jahren in Kambodscha geschehen ist und schätzungsweise einem Viertel der Bevölkerung direkt oder indirekt das Leben kostete. Die Leute in den
Städten wurden auf die Reisfelder zur Arbeit deportiert, Schulen und Spitäler geschlossen, Intellektuelle, Ärzte und weitere Gebildete wurden hingerichtet - offenbar reichte es, wenn man eine
Brille trug oder eine Fremdsprache sprach um gefangen genommen und anschliessen umgebracht zu werden. Im S21 Gefängnis wurden durch Folter Geständnisse erzwungen, welche dann die Hinrichtung auf
den Killingfields zur Folge hatte. Von etwa 20'000 Inhaftierten überlebten nur deren 7 den Gefängnisaufenthalt. Auf dem Killingfield wurde eine Gedenkstädte errichtet. Beim Rundgang durch den nun
besinnlichen Ort sah man immer wieder Knochenfragmente oder Stofffetzen im Sand liegen - jeder Regen fördert neue Stücke zutage. Schwere Kost, bedrückend und bewegend. Paradoxerweise wurde nach
der Befreiung Kambodschas durch die Vietnamesen von Amerika und anderen westlichen Länder weiterhin die ins Exil geflüchtete Regierung der Roten Khmer als rechtsmässige Vertretung Kambodschas
anerkannt, und das bis 1988. Unvorstellbar!
Silvester feierten wir in Phnom Penh. Zum Znacht gings in ein super Restaurant, welches von einem lokalen Hilfswerk betrieben wird. Hier kriegen Strassenkinder eine Chance und können eine Art
Berufslehre in der Küche oder im Service absolvieren. Der jetzige Chef hat ebenfalls so angefangen und mit 24 bereits die Leitung des Küchenteams übernommen. Auch veröffentlichte er bereits ein
Kochbuch, welches wir natürlich gleich kauften - wer gerne Kambodschanisch isst, darf gerne bei uns vorbeikommen - gebratene Taranteln oder Froschspiesse sind neben Amok und Papayasalat auch
beschrieben! :-)
Für das Feuerwerk gesellten wir uns zur Bevölkerung beim Independence Square. Das 2015 ist für uns nun ganze 6h länger! :-)
Am Neujahr besuchten wir einen Kochkurs, wo wir lernten, wie man Papaya Salat und Fisch-Amok, das kambodschanische Nationalgericht, kocht. Zum Dessert kochten wir Bananen Kokosnuss Jelly -
speziell aber eigentlich ganz gut!;-) Dann war unsere Zeit in Phnom Penh bereits um - den nächsten Tag verbrachten wir 7h im Bus nach Siem Reap, wo die Sehenswürdigkeit Nr.1 von Südostasien steht
- Angkor Wat!
Der Einreise in Kambodscha habe ich einen Blogeintrag gewidmet. Korruption ist echt eine üble Sache, das realisiert man erst, wenn man sie erlebt. Sihanoukville liegt am Meer und hat schöne
Sandstrände, viele Bars und gemütliche Restaurants. Unser Hotel, Clearwater Guesthouse, war etwas ausserhalb, aber schön ruhig gelegen. Simon und Pushpa führen das Guesthouse mit Leib und Seele
seit 5 Jahren, hadern jedoch etwas mit der Korruption im Land und sind daher am Pläne schmieden um nach Südafrika weiter zu ziehen. Beim Morgenessen am ersten Tag trafen wir Anja und Rafael aus
Bayern, welche einen Schnorchel und Badeausflug gebucht hatten. Wir entschlossen uns spontan, ebenfalls mitzugehen und Pushpa telefonierte um für uns zwei Tickets zu buchen. Am Telefon erfuhr
sie, dass das Boot einen Motorschaden hat und ev. nicht auslaufen kann - sie arbeiteten offenbar die ganze Nacht durch um das Problem zu beheben. Wir richteten unsere Sachen und ja, um 10 Uhr
hiess es, das Boot gehe heute nicht raus, aber sie hätten ein Ersatzboot, welches die selbe Route fahre und uns mitnehmen würde - das "Party - Boot". Ein Tuktukfahrer holte uns ab und brachte uns
zum Pier. Das Boot war cool gemacht, mit Sofas und dezenter Musik im Hintergrund. Kaum waren wir jedoch zum Hafen raus, schaukelte das Schiff ziemlich stark - der Wellengang war recht heftig. Wir
schwatzten zu Beginn mit Raffael und Anja unter Deck, ich musste jedoch bald an die frische Luft. Ich war nicht der einzige, die Crew verteilte prophilaktisch Kotztüten. :-) Der Schnorchelstop
war in ruhigerem Gewässer, das Wasser war jedoch ziemlich trüb und man sah nicht viel. Immerhin ging es mir etwas besser und ich konnte etwas essen. Anschliessend wurde die See richtig rauh bis
wir die Sarachon Bucht auf Koh Rong Samloen erreichten. Das Schiff konnte nicht am Steg anlegen, mit einem Fischerboot wurden wir zum Strand geshuttelt. Hier wurden tüchtig die Fische gefüttert -
mehrere Gäste hingen über der Reeling, ich hielt zum Glück durch. Dar Strand war echt schön, schneeweiss, mit verschiedenen Resorts direkt am Meer. Wir chillten am Strand und ich regenerierte
mich für die Rückfahrt. Zum Glück beruhigte sich das Meer am Nachmittag und die Rückfahrt war dann wesentlich angenehmer. Ich und auch viele andere waren jedoch froh, wieder zurück in
Sihanoukville zu sein. Das Party Boat war eher ein Schlaf Boot heute!:-)
Mit unseren Gspänlis gings zusammen italienisch Znacht essen: "Osteria da Gino" mit einer echten, italienischen Mama in der Küche. War echt gut! Nach zwei Nächten in Sihanoukville geht es für
Silvester nach Phnom Phen. Sind gespannt, was uns da erwartet!