Vietnam

Hanoi, 23.1. - 25.1.15

Für mich ist Hanoi genau so, wie ich mir eine asiatische Metropole vor unserer Abreise vorgestellt habe - vielseitig, spannend, exotisch, eng und chaotisch! Wir hatten uns für die letzten zwei Tage in Vietnam mitten im alten Quartier von Hanoi eine Bleibe gesucht. Hier pulsiert das Leben, verschiedene Märkte, Sehenswürdigkeiten und leckere Strassenküchen gab es in unmittelbarer Gehdistanz zu entdecken. Die wohl grösste Herausforderung war es jeweils auf die andere Strassenseite zu gelangen, denn Lichtsignale (wenn es sie denn gibt) werden geflissentlich übersehen. Auch ist es schwierig überhaupt eine Lücke im Verkehr auszumachen. Da hilft einzig die Methode der Einheimischen und die Hoffnung, dass einem die Schutzengel beistehen. Denn die Einheimischen überqueren die Strasse so: Ohne gross auf die herannahende Verkehrslawine (bestehend zu 90% aus Motorrollern) zu achten läuft man gemütlich aber in konstantem Tempo auf die Strasse hinaus, schaut geradeaus und vertraut darauf, dass einem die Verkehrsteilnehmer ausweichen und man heil die andere Strassenseite erreicht. Das funktioniert ganz gut, braucht aber schon ziemlich Überwindung! Hat man mal den Verkehr im Griff, findet man im Strassengewirr vom alten Quartier farbenprächtige Gemüse-, Früchte-, Fleisch- und Fischmärkte und von jeder Strassenküche wehen verlockende Gerüche entgegen. Ich hätte mir wirklich gewünscht kein Sättigungsgefühl zu haben um noch mehr von diesen Köstlichkeiten probieren zu können:-) Einmal gesättigt, kann man sich den klassischen Sehenswürdigkeiten zuwenden, denn die sind auch ziemlich attraktiv. Vor allem die kommunistischen Prachtbauten, wie das Ho Chi Minh Mausoleum, der Präsidentenpalast, der Regierungssitz und auch riesige Plätze für Militärparaden sind beeindruckend, zeugen jedoch definitiv nicht von Bescheidenheit. Vom Kommunismus ist mit Ausnahme des politischen Einparteiensystem nicht mehr viel zu spüren, der Kapitalismus und die Konsumwut haben auch in Vietnam Einzug gehalten. Smartphones und Markenartikel sind allgegenwärtig, wenn auch ohne Echtheitszertifikat:-) Müde von den vielen Sehenswürdigkeiten gönnt man sich am besten einen vietnamesischen Kaffee (spezieller Filterkaffee mit Kondensmilch...yummie) an einer Strassenecke, sitzt auf ein Kinderstühlchen und schaut dem bunten Treiben zu. Kaum zu glauben, was alles auf einem Motorroller oder Velo verstaut werden kann! Und wenn man genug gesehen hat und nicht auf einem Kinderstühlchen an der Strasse zu Abend essen will, dem steht ein schönes Angebot an gediegenen, erstklassigen Restaurants zur Verfügung. Hier probierten wir auch endlich einen vielgerühmten vietnamesischen Eierkaffee.....unbedingt ausprobieren, ein weiteres kleines Highlight! 

Ninh Binh, 21.01. - 23.01.2015

Allen guten Ratschlägen zum Trotz haben wir uns gegen einen Besuch der Halong Bucht entschieden - so haben wir einen weiteren Grund, nach Vietnam zurück zu kehren! :-) Statt dessen besuchten wir Ninh Binh und Umgebung, was den Ruf "Halong Bucht an Land" hat. Ich war ganz froh darüber, ich habe immer noch die Schifffahrt mit starkem Wellengang in Sihanoukville im Hinterkopf - die Vorstellung eine ganze Nacht auf einem Kahn zu verbringen führt immer noch zu Schweissausbrüchen. Ursina trauert der Halong Bucht jedoch immer noch etwas nach.
Ninh Binh als Stadt ist ziemlich unspektakulär. Schafft man es jedoch, mit dem Fahrrad dem Stadtverkehr zu entrinnen, findet man sich bald auf unendlichen Reisfeldern wieder, die um die Karstfelsen angeordnet sind. Am ersten Tag besuchten wir Trang An, wo man gut 2h auf einem Ruderboot einen Parcour abfährt - es geht durch Höhlen in den Karstfelsen, Kanälen folgend zu verschiedenen Tempel. War echt eindrücklich! Am zweiten Tag machten wir einfach eine Velotour und kletterten auf verschiedene Felsen. Da das Wetter sehr dunstig war, hatten wir etwas Mühe gute Fotos zu schiessen - mit einem Filter haben wir etwas nachgeholfen. Das Resultat gefällt uns, wir hoffen euch auch!:-)

Hoi An, 18.01.-20.01.

Hoi An markierte den südlichsten Punkt unserer Reise durch Vietnam. Die gesamte Altstadt gilt seit einigen Jahren als UNESCO Weltkulturerbe. Ein wirklich schönes Städtchen mit alten Gebäuden, Versammlungshallen, Tempeln, die von der einstigen Geschäftigkeit als Hafenstadt und dem damit einhergehenden Wohlstand zeugen. In der Altstadt sind nur Fussgänger und Fahrradfahrer erlaubt, somit bleibt das für Vietnam so typische Knattern der Motorräder aussen vor. Ein reizvoller Ort - für uns machte das Städtchen jedoch ein wenig zu stark den Eindruck eines Freilichtmuseums. Es leben wohl nicht mehr viele Vietnamesen in der Altstadt, dafür gibt es unzählige Kleider- und Schuhläden, die ihre massgeschneiderten Waren anbieten, westlich angehauchte Restaurants und Souvenirläden. Da war unsere Radtour zur Stadt hinaus schon viel authentischer. Durch Reisfelder hindurch ging es auf kleinen Seitenstrassen in Richtung Meer. Weitaus am Besten gefiel uns jedoch der Kochkurs, für den wir uns am zweiten Tag angemeldet haben. Diejenigen, die uns gut kennen, wissen, dass man mit leckeren Essen bei uns wirklich punkten kann. Und was das Essen anbelangt, da ist Vietnam wirklich Spitzenklasse! Nach einem eintägigen Intensivkurs mit Marktbesuch sind wir nun gut gerüstet um die typisch vietnamesischen Gerichte wie Frühlingsrollen und Nudelsuppen auch in heimatlichen Gefilden nachzukochen:-) Mit dem Zug fuhren wir Abends weiter nach Ninh Binh, unserem zweitletzten Stopp in Vietnam. 

Dong Hoi und Hué, 15.01.-18.01.15

In Laos, auf Don Det, waren wir von einen Franzosen vorgewarnt worden, dass man beim Reisen in Vietnam ziemlich auf der Hut sein sollte. In Dong Hoi angekommen, stimmten wir dieser Einschätzung noch gar nicht zu. Dong Hoi ist ein verschlafenes Küstenstädtchen, die Leute begegnen einem mit einem Lächeln im Gesicht und einem freundlichen "Xin Chào". Die touristische Infrastruktur beschränkt sich auf ein paar Resorts am Strand, anhängliche Souvenirverkäufer und Cyclofahrer (Velos mit Besuchersitzen vorne) sucht man vergebens. Nach einem halben Tag Stadtbesichtigung hatten wir die Sehenswürdigkeiten gesehen und es zog uns weiter nach Hué, in diese hochgelobten ehemaligen Königsstadt. Die Weiterfahrt hatten wir über ein Hostel gebucht, doch als wir da eintrafen (notabene 10min zu früh), meinte die Dame der Bus sei schon weg, aber es würde sicherlich bald ein weiterer Bus vorbeifahren. Dem war dann auch so...und die schlimmste Busfahrt unserer Reise begann. Wir stiegen ein und als wir das Gepäck unter den Stühlen versorgen wollten, hielt der Fahrer mitten auf der Strasse an und wies mich an die Rucksäcke im Kofferraum zu verstauen. Sobald ich das gemacht hatte, schrie er mich auf vietnamesisch an und verlangte 100'000 Dong (ca. 5 CHF) für das Gepäck. Etwas verdattert und eingeschüchtert gab ich ihm das Geld. Zurück im Bus hintersinnte ich mich gewaltig und beim nächsten Stop verlangte ich das Gepäck zurück. Es versteht sich von selbst, dass das Gepäck normalerweise im Ticketpreis inbegriffen ist - daher verlangte ich auch gleich noch das Geld zurück. Wieder setzte der Fahrer zu einer lauthalsen vietnamesischen Schimpftirade an, doch am Ende händigte er mir, auch dank der Intervention anderer Fahrgäste, das Geld wieder aus. Weiter ging die Kamikaze-Fahrt nach Hué. Nicht wenige der Fahrgäste deckten sich mit "Kotz"-Säckchen ein, die zum Glück dann aber ungenutzt blieben. Auf der Sitzbank neben uns platzierte sich ein Betrunkener, der es sich zur Gewohnheit machte auf den Boden zu spucken. Die vierstündige Busfahrt dauerte eine gefühlte Ewigkeit und wir waren heilfroh, als wir endlich in Hué ausgeladen wurden. Nach diesem Negativerlebnis aber zu dem, was wir am Reisen lieben. :-) In Hué hatten wir ein Homestay gebucht und waren sehr gespannt was uns da erwartet. Zwar lag die Unterkunft etwas ausserhalb von Hué, aber Kim, ihr Ehemann und die drei Kinder waren ein kleines Highlight unserer Reise. Kim begleitete uns gleich am ersten Abend in ein ausgezeichnetes lokales Seafood-Restaurant. Der Hot Pot (eine Art Fondue Chinoise) mit Fisch, Crevetten und Muscheln war etwas vom Besten was wir bisher gegessen hatten und die Vorspeise, gegrillte Muscheln mit Kräutern war ebenfalls eine Delikatesse. Ohne vietnamesische Begleitung wären wir hier nicht weit gekommen, sprach doch niemand auch nur ein Wort Englisch. Am nächsten Morgen ging es gleich weiter mit gutem Essen, diesmal gab es "Pho", DIE vietnamesische Nudelsuppe, in einer klassischen Strassenbeiz, die wir auf Kims Empfehlung hin aufgesucht hatten. Der zuckersüsse vietnamesische Kaffee (den sogar ich lecker finde) ging aufs Haus. Nun waren wir gestärkt für einen Tag voller Sehenswürdigkeiten. Die ehemalige Königsstadt haute uns jedoch ehrlich gesagt nicht von den Socken. Allenfalls hatte der Dauerregen seinen Einfluss auf unsere Beurteilung oder auch die etwas aufdringlichen Cyclofahrer;-) Die Stadtfestung war sicherlich imposant, speziell natürlich die Festung in der Festung - der frühere Königspalast. Interessant war auch, etwas über das Leben im Palast zu erfahren. Der Tagesablauf eines Königs war etwa so - Meetings mit seinen Ministern bis 12 Uhr, Mittagessen alleine, Gesang und Massage am Nachmittag sowie Jagd oder Pfeife rauchen. Am Abend Gesellschaft mit einer seiner Frauen oder Konkubinen. Nur drei Könige haben am Abend gearbeitet - der eine, weil er einfach arbeitsversessen war, der zweite weil er den Problemen in seinem Harem aus dem Weg gehen wollte und der dritte - weil er einfach langsam war. :-)
An unserem zweiten Tag in Hué gingen wir zusammen mit Kims Familie frühstücken und wurden sogar noch zum selbstgekochten Mittagessen eingeladen. Dass das Essen grossartig war müssen wir wohl kaum erwähnen. Wir genossen es, Einblick in eine typische, mittelständische vietnamesische Familie zu erhalten und sind dankbar für die Warmherzigkeit und Gastfreundschaft, die wir hier erleben durften. Weiter ging es mit einem grossen Bus (den Minibussen gehen wir aus dem Weg) nach Hoi An - wir hatten für die 4h Fahrt sogar Liegesitze! :-)

Von Laos nach Dong Hoi, 15.01.15

Wieder stand uns ein Grenzübertritt bevor - von Thakek fahren die Busse einen relativ wenig begangenen Übergang nach Vietnam an. Am liebsten hätten wir uns davor gedrückt, aber schlussendlich machen genau solche Erlebnisse die Würze bei einer Reise aus. Erst wollten wir den Nachtbus nehmen, welcher in 12h von Thakek nach Hué fährt. Der kreuzte jedoch nicht auf - um 21:00 hiess es am Ticketschalter "Bus broke down" worauf wir ein Hotel in der Nähe des Busbahnhofs suchten. Wir wurden bald fündig, beim Zimmerbezug bemerkten wir die erotischen Bilder an der Wand - offenbar sind wir in einem Stundenhotel gelandet. :-) 

Stundenhotel in Thakek... ;-)
Stundenhotel in Thakek... ;-)

Die Nacht war eh kurz, kurz nach 6 Uhr standen wir wieder am Busbahnhof und hofften auf den Bus um 7:00 nach Hué. Wieder kein Bus - wir entschlossen uns kurzerhand, einen ganz anständig aussehenden Bus nach Dong Hoi, einer Stadt 160km nördlich von Hue, zu nehmen. Freundlicherweise sprach ein vietnamesischer Passagier gut Englisch und so kamen wir zu Sitzplatz und Tickets. In 4h ging die Fahrt an die Grenze - unterwegs wurden unsere Pässe vom Schaffner eingesammelt, nach einer Stunde jedoch wieder ausgehändigt - lustigerweise bekamen nur wir die Pässe zurück. Die Grenze liegt auf einem Pass - es hatte ziemlich Verkehr und teilweise verursachten kreuzende Lastwagen auf der schmalen Bergstrasse Stau. Kurz vor Mittag erreichten wir die laotische Grenze - der Bus reihte sich in der Fahrzeugkolonne ein, wir gingen mit den anderen Leuten zu Fuss an den Schalter, wo wir den Ausreisestempel gebürenfrei bekamen. Besonders viele Touristen hatten die Grenzbeamten wohl noch nicht zu Gesicht bekommen, sie wollten nicht mal unsere "Departure"-Karte einsammeln. Der Bus passierte nun ebenfalls die Grenze und wir stiegen wieder ein. Nach 5min erreichten wir die vietnamesische Seite - hier ging es etwas offizieller zu und her. Die Grenzbeamten trugen ihre typisch kommunistische Uniformen und schauten sich die Pässe genau an. Nach dem jeder der 5 Beamten darin herumgeblättert hatte, gab es den Stempel und wir waren in Vietnam eingereist. Draussen warteten wir auf den Bus - der nächste Schritt war nämlich der Zoll. Wir mussten all unser Gepäck aus dem Bus nehmen und wie beim Flughafen durchleuchten lassen. Wir hatten es noch gut mit unseren Rucksäcken. Die meisten Reisenden hatten mehrere Schachteln dabei, Reissäcke, Zuckersäcke, lebende Hühner, alte Motoren - einer transportierte sogar einen Töffliauspuff nach Vietnam. Es war ziemlich effizient, die Zöllner sowie auch die Passagiere schienen routiniert zu sein.

Kurz nach 12 Uhr fuhren wir los in Richtung Küste. Das ging ja besser als befürchtet! Die Landschaft änderte sich - zuerst gleich hinter dem Pass war sie sehr grün, urwaldmässig und kaum belebt, dann kamen wir runter auf die Ebene mit den unzähligen Reisfeldern und Karstfelsen. Nach und nach stiegen die anderen Gäste aus und mit ihnen auch die Ladung. Nach 10h Fahrt erreichten wir Dong Hoi. Der Bus weiter nach Hué stand bereits da - doch wir hatten erst mal genug und suchten uns ein Hotel in Dong Hoi. Wir habens geschafft und sind in Vietnam! :-)
Am vietnamesischen Zoll!
Am vietnamesischen Zoll!