Das Ende unserer ersten Reiseepisode nähert sich unweigerlich und die Tage vergehen wie im Flug. Wir entschieden uns deshalb Ashley und Geoffrey nur noch von Thakhek zur Kong Lo Höhle zu
begleiten und dann umzukehren um nach Vietnam weiterzureisen. Das war der Plan, aber natürlich kam wieder einmal alles anders! Wir liehen uns in Thakhek ein Motorrad und düsten dann gemeinsam mit
unseren beiden neugewonnenen Freunden los. Die ersten 100 km ging es der Hauptstrasse entlang in Richtung Norden. Als endlich die Abzweigung in Vieng Kham in Sicht kam, hatten wir alle wunde
Hintern und brauchten dringend was zu essen. Zwei von vier Bestellungen gingen dann aber unter, es lief ja gerade auch eine super spannende Seifenoper im Fernsehen, die die Aufnahmefähigkeit
drastisch reduzierte;-) Auf unsere Nachfrage hin bekamen wir dann doch noch das restliche Essen und schwangen uns daraufhin wieder aufs Motorrad. Nun wurde die Landschaft immer schöner, hügliger
und wilder. Die Karstfelsen luden zum Klettern ein und in der Nachmittagssonne zeigte sich die Gegend von der besten Seite. Ich knipste wie wild hinten auf dem Motorrad, wenn ich nicht gerade
aufgrund der schlechten Strasse durchgeschüttelt wurde. Im Dorf Kong Lo fanden wir eine super Unterkunft und liessen den Tag bei einem Bier und guten Gesprächen mit Ashley und Geoffrey
ausklingen. Weil es zu schade gewesen wäre hier bereits umzudrehen, entschieden wir uns den Central Swing vollständig abzufahren. Eine Entscheidung, die wir nicht bereuen sollten. Am zweiten Tag
gings am Morgen früh zur Kong Lo Höhle, wo wir zwei Boote mieteten, die uns durch die 7.5 km lange Höhle durch einen Karstberg fuhren. War wirklich toll, wenn auch etwas gespenstisch. In der
Mitte der Höhle gibt es einen beleuchteten Teil, wo riesige Stalagmiten und Stalaktiten zu sehen sind. Zurück aus der Unterwelt fuhren wir weiter nach Laksao. Die Strecke ähnelte einer
Passstrasse und nicht selten trafen wir auf stehende Lastwagen, die den Motor kühlen mussten, bevor sie weiterfahren konnten. Wir hatten eher das gegenteilige Problem, mit dem Fahrtwind wars
ziemlich kalt und wir waren bald ausgekühlt. Es ist eben auch in Laos Winter! Die Nudelsuppe (das Standardgericht auf unseren Motorradtouren) in Laksao wärmte uns wieder auf und wir sammelten
Kräfte für die anstehende Dirt Road. Diese war zum Glück weniger schlimm als befürchtet und wir wurden anschliessend mit grandiosen Ausblicken auf einen Stausee voller abgestorbenen Bäumen
belohnt. Am Abend gabs ein BBQ und ein Lagerfeuer beim Guesthouse und für einmal waren die Langzeitreisenden in Überzahl. Reisedauern unter drei Monaten ernteten hier bloss bemitleidende
Blicke;-) Am dritten und letzten Tag fuhren wir zurück nach Thakhek und besuchten auf dem Rückweg zwei weitere Höhlen. Besonders gut gefallen hat uns die Xiang Liab Höhle, bei der wir unsere
Entdeckungslust so richtig ausleben konnten und kletternd alle drei Ein-/Ausgänge erkundeten. Zurück in Thakhek hiess es dann Abschied nehmen von Ashley und Geoffrey, unseren beiden weltoffenen,
liebenswürdigen und abenteuerlustigen amerikanischen Freunden. War super gemeinsam unterwegs zu sein und wir werden die Beiden sicherlich vermissen!
Wir verabschiedeten uns von der Gast-Familie auf Don Det - zum Abschied bekamen wir zwei Glücksbändeli mit auf den Weg. Die Chefin fuhr uns mit dem Einbaum zum Festland und führte uns durch
Hinterhöfe zum Busbahnhof. Ein Pritschenwagen stand bereits bereit und schon bald gings mit Zucker, frischen Fischen, Gemüse und weiteren Passagieren los nach Pakse, der zweitgrössten Stadt in
Laos. Wir erreichten unser Ziel kurz vor Mittag und fuhren mit einem weiteren Minibus ins Zentrum. Dooferweise sind die Busstationen jeweils ausserhalb der Stadt, und, oh Wunder, kostet der
Transport ins Stadtzentrum gleich halb so viel wie die zweistündige Busfahrt von Don Det nach Pakse, welche wir eben überstanden hatten. Immerhin lud uns der freundliche Fahrer gleich beim
Guesthouse ab, wo wir von Geoffrey und Ashley wussten, dass Scooter vermietet werden. Wir deponierten unser Gepäck und schnappten uns einen Scooter - eine Honda mit 100ccm. Sah alles tiptop aus,
nur der hintere Reifen war mehr oder weniger Profillos - total abgefahren. Nach einem kurzen Zmittag fuhren wir los in Richtung Paksong. Zuerst ging es flach aus Pakse raus, doch schon bald ging
es stetig bergauf. Unterwegs machten wir halt bei einem Wasserfall, und wenig später ein weiteres Mal, um uns warm anzuziehen. Shorts und T-Shirt waren nicht mehr angebracht auf 1300 MüM! Kurz
vor Paksong sahen wir eine Kirche, schön auf einem Hügel gelegen. Wir haben schon lange keine Kirche mehr gesehen, daher machten wir einen kurzen Abstecher. Hier lernten wir bei einer Tasse Tee
Joseph kennen. Joseph kommt aus Vietnam, wo 20% der Bevölkerung Christen sind und macht eine Art Praktikum hier in Laos - er studiert Philosophie und möchte nach dem Praktikumsjahr Theologie
weiter studieren. Die Kirche wird eben erst fertiggestellt und sieht sehr schön aus. Nebenan steht noch die alte Kirche, ein einfacher Bretterschlag - aber irgendwie "heimelig". :-)
Am zweiten Tag trafen wir zum Zmorgen Ashley und Geoffrey. Gemeinsam gings weiter über das Bolaven Plateau, vorbei an endlosen Kaffeeplantagen. Eine Plantage schauten wir uns an - hier wird
Kaffee angebaut, welcher in einer bei Pakse gelegenen Fabrik gleich gebraut und in Dosen abgefüllt wird. Sehr süss, aber kalt schmeckt der Dao Coffee super - wir bekamen ein Müsterli zum
probieren. Etwas später besichtigten wir nochmals einen Wasserfall - nichts spektakuläres aber ganz nett. Dann hatten wir kein Glück mehr - die Hauptattraktion (ein spektakulärer Wasserfall)
sowie das angepeilte Guesthouse verpassten wir. Daher machten wir mehr Kilometer als ursprünglich vorgesehen und übernachteten in einem verschlafenen Kaff. Der dritte Tag hatte zwei Highlights zu
bieten. Zuerst besuchten wir eine Bio Farm wo Seide und Tee produziert wird. Wir hatten Glück - Sabine aus Basel arbeitet seit einem Monat auf der Farm und gab uns einen super Einblick in den
Betrieb. Für die Seidenraupen wird Maulbeer angepflanzt, welcher aber auch zu Tee verarbeitet wird. Dann gibt es auch die klassischen Teesträucher, Pfeffer, Hibiskus und - etwas was ich noch
nicht kannte - Sacha Inchi Nüsse, welche ursprünglich aus dem Amazonasgebiet stammen und nun hier Laos angebaut werden. Geröstet und gesalzen schmecken die echt super! Die Farm wird von einem
Deutschen mit dem Ziel geführt, umliegenden Bauern die Seidenproduktion zu ermöglichen, um das Einkommen aufzubessern. Die Farm kauft dann die Seidenraupenkokons der Bauern und verarbeitet sie zu
Rohseide, welche in Vientiane weiterverarbeitet wird. Das zweite Highlight war das Dorf Tad Lo, wo wir übernachteten. Direkt an einem Fluss gelegen logierten wir in einem Bambusbungalow - sehr
einfach, aber gemütlich. Rund um die Bungalows tollten Kinder, gackerten Hühner, suhlten sich Hausschweine und watschelten Enten. Dazu kamen noch wiederkäuende Kühe, Katzen sowie unzählige Hunde
- war ziemlich was los. :-)
Am nächsten Morgen gings zurück nach Pakse. Wir waren gut dran, doch dann war erst mal Schluss - ich fing einen Platten am Hinterrad ein. Zum Glück war das letzte Dorf nicht weit. Ich schob den
Roller zurück und Geoffrey checkte schon mal aus, wo es da eine Werkstatt hat. Gleich am Dorfeingang wurden wir fündig. Der Mechaniker konnte kein English, das Problem brauchte jedoch nicht viel
Erklärung. Er meinte aber, der durchgefahrene Pneu und der Schlauch müsse ersetzt werden. Das wird teuer, dachte ich mir. Weit gefehlt. Ich fuhr mit dem Mech in den nächsten Shop, wo wir einen
neuen Schlauch und Pneu kauften - umgerechnet 9.50 Fr. zahlte ich dafür. :-) Die Arbeit, 45min Rad ausbauen, Pneu wechseln und wieder einbauen, kostete weitere 5.- Fr. Da sind wir ja günstig
weggekommen. Wir retournierten den neu bereiften Töff und nahmen gleich den Bus ins eigentlich nicht so weit entfernte Thakhek - wir brauchten für die Strecke 7h, was sich als gute Zeit
herausstellte. In Thakhek trafen wir Reisende welche für dieselbe Strecke 12h brauchten. :-)
Grenzübertritte dauern immer etwas länger - wir trafen bei Sonnenuntergang beim Hafen von Nakasong ein, von wo die "Fähre" - eine Nussschale für ca. 16 Personen - auf Don Det rüber setzt. Am
Grenzübergang wurden unsere Tickets eingezogen, bei der Fähre wollten sie die Tickets sehen - ohne Ticket musste die Fahrt neu gelöst werden. Zum Glück hatten wir noch den Beleg vom Reisebüro mit
Telefonnummer, das verhalf uns zu der bereits im voraus bezahlten Fahrt. Die meisten anderen mussten jedoch nochmals 5$ bezahlen - schien ein abgekartetes Spiel zu sein, naja...
Auf Don Det tickt die Uhr etwas langsamer - es herrscht eine sehr relaxte Atmosphäre. Wir schlenderten dem Ufer entlang auf der Suche nach einer Unterkunft. Hinter uns läutete eine Veloglocke,
die Velofahrer meinten, die Bremsen funktionieren nicht wirklich. Ich fragte gleich zurück, ob es in die Richtung noch Unterkünfte gebe. "Ja", erwiderten sie, gleich die nächsten Hütten, sie
wohnen auch da und die Besitzerfamilie sei sehr freundlich. Also nahmen wir uns da ein Zimmer - sehr einfach, aber für 6.- pro Nacht darf man nicht jammern. Als wir das Zimmer bezogen, merkten
wir, dass bereits zwei Gäste da wohnten - zwei Frösche! Es dauerte etwas, bis die gefangen und in die Freiheit entlassen werden konnten. :-)
Den ersten Tag gingen wir langsam an. Beim Morgenessen lernten wir unsere Nachbarn besser kennen, Ashley und Geoffrey aus den Staten, welche 22 Monate auf Weltreise sind. Ein sympathisches
Ehepaar in etwa unserem Alter. Anschliessend mieteten wir ein Velo ohne Bremsen (für was auch? Ist ja alles flach...) und umrundeten Don Det (erwa 1h ohne Restaurantstop). Wir trafen verschiedene
bekannte Gesichter, eines aus Hamburg, welches wir in Kalaw (Myanmar) auf dem Hauptplatz getroffen hatten - Malte reiste von Yangon direkt nach Laos und kommt nun vom Norden in Richtung Süden.
Weiter zwei Italiener, mit welchen wir in Pnomh Penh an einem Marktstand Zmittag assen, später beim Tempel von Angkor War wieder sahen - Südostasien ist klein!:-) Am Abend dann ein Highlight -
der Besitzer vom Guesthause hatte Fische gefangen (eine Art Karpfen, die jedoch nicht nach Moos schmecken) und fragte uns, ob wir zum Znacht Fische auf laotische Art probieren möchten. Wir und
auch Ashley und Geoffrey nahmen das Angebot gerne an! Auf zwei Kohlebecken wurde Fischbouillon gekocht. Der fein geschnittene, filletierte Fisch wurde dann mit Thaibasilikum und Minze in Spinat
und Kohlblätter eingewickelt, auf eine Gabel aus Bambus gesteckt und in der Bouillon 2min gekocht - eine Art Fondue Chinoise. War super lecker, speziell die dazu servierte Sauce mit Kokosmilch
und Chili. Dazu gab es Melonenschnapps und Bier. :-)
Am nächsten Tag gingen wir kayaken - den Mekong flussabwärts, zwischen den unzähligen Inseln (es sollen 4000 sein) hindurch in Richtung kambodschanische Grenze. Wir besuchten zwei imposante
Wasserfälle und beobachteten vom Kajak aus die seltenen Irrawadydelfine. War ein cooler Tagestrip. Hier auf Don Det könnte man es gut länger aushalten, doch morgen zieht es uns bereits weiter
nach Pakse, von wo wir mit Ashley und Geoffrey eine 4 tägige Scootertour machen wollen - den Southern Swing.