Unser letzter Tag in La Paz stand vor allem im Zeichen der Planung und Organisation. Wäsche waschen, Reiseführer lesen und Reiseagenturen abklappern gehören eben auch zum Reisen dazu. Unser
Sightseeing beschränkte sich somit auf einen Besuch des Cocamuseums, des Mercado Negro und des Regierungsdistrikts. Die Geschichte der Cocapflanze und ihrer Verwendung war spannend und zeigte uns
auf, wie aus einer Pflanze des jahrhundertelangen täglichen Gebrauchs mit vielen positiven Eigenschaften ein verbotenes Gut werden konnte, dessen Anbau mittels Militäreinsatz bekämpft wird. Dass
die USA in diesem paradoxen Kampf gegen die Kokabauern eine Hauptrolle spielt verwunderte uns nicht wirklich. Heute können in Bolivien die Kokablätter wieder legal angebaut, gekauft und gekaut
werden (die Verarbeitung zu Kokain ist selbstverständlich immer noch strafbar) und der Mate de Coca ist das Nationalgetränk - bloss mit in die Schweiz darf man die Blätter oder den Tee immer noch
nicht nehmen. Auf dem Mercado Negro, einem grossen Mark im Zentrum von La Paz hätten wir uns dann gleich mit Cocablättern eindecken können und auch sonst gab es in den engen Gassen alles
erdenkliche zu kaufen. Nach einem kurzen Besuch beim Barbier, wo Stephans Bart endlich wieder akkurat zurechtgestutzt wurde schauten wir noch im Regierungsviertel vorbei, bevor sich die Nacht
über La Paz senkte und wir uns zur Weiterreise bereit machten.
Der Illimani ist ein mächtiges Bergmassiv in der Nähe von La Paz und stellt den höchsten Gipfel der Cordillera Real, den Pico Sur. Bereits vor 4 Jahren, bei unserem ersten Bolivien Besuch,
liebäugelten wir mit diesem Gipfel, entschieden uns damals jedoch für den Sajama. Da wir etwas trainieren müssen für vier Wochen Huaraz mit top motivierten Strapazis, entschieden wir uns
diesen 6000er in Angriff zu nehmen. Der Illimani ist nicht so populär wie der Huayna Potosí, daher gleisten wir dieses Expeditiönli bereits von Argentinien aus auf. Wir haben nämlich aktuell
nur Trekkingmaterial im Rucksack - Schalenschuhe, Steigeisen und so weiter mussten wir alles mieten. Genaro, Bergführer und Chef von Elma Tours hatte ein riesiges Lager - da waren viele
antike Stücke dabei, aber es war durchwegs gutes Material. Am Vortag deckten wir uns mit allem Nötigen ein. Wir starteten am Morgen um 9.00 Uhr von La Paz. Eulogio, ein
sympathischer lokaler Bergführer holte uns im Hotel ab. Ein alter Toyota Quatro por Quatro wurde eben beladen. Francisca, die Frau von Genaro, hatte den Überblick und schaute, dass es an
nichts fehlte. Julio, unser Koch, kam aus dem Maxikiosco mit den letzten Einkäufen. Francisca wünschte uns alles Gute und meinte, wir sollen dem Illimani respektvoll begegnen - der Illimani
ist den Bolivianern ein Wahrzeichen. Die Fahrt ging los - erst runter in den Kessel von La Paz und auf der anderen Seite wieder in die Höhe. Die Landschaft änderte sich schlagartig, wir waren
nun auf dem Land. Kleine Weiler säumten die Schotterstrasse, die Bauern waren mit Lasteseln unterwegs - so nah bei La Paz, und doch gefühlt am Ende der Welt. Vier Stunden dauerte die Fahrt,
wir überwanden viet Pässe. Die Strasse wurde immer schlechter - zwischenzeitlich mussten wir aussteigen, weil unser Toyota am Berg nicht mehr anfahren konnte. Am frühen Nachmitag erreichten
wir Pinaya auf 4000m. Hier endete auch die Strasse. Auf dem Hauptplatz, einer Bergwiese mit vom Bürgermeister gesponserten Bänken, zwei Fussballtoren und einer kleinen Kapelle, gab es
Zmittag. Es war ein Prachtstag, weiss leuchtete das Illimani Massiv auf uns herab - 2500Hm trennen uns noch vom Gipfel. Der Aufstieg ins Base Camp war Genuss pur - Esel nahmen uns das
Klettermaterial ab, wir wanderten vorbei an Kartoffelfeldern und kleinen Alpen zur letzten Wiese am Fusse des Illimanis. Die Schafe und Lamas sorgen hier oben für einen perfekt gestutzten
englischen Rasen - es war eine Freude, das Zelt aufzustellen. Nach Quinoasuppe und einem Stück Fleisch mit Nudeln genossen wir den Sonnenuntergang und die Sicht auf La Paz und El Alto. Orange
leuchtet die Millionenstadt am Horizont, hier oben war es jedoch still - keine Dieselwolken, kein Gehupe, Natur pur.
Der nächste Tag war etwas härter. Mit Vollpackung ging es 1000m in die Höhe - ins Campo Alto auf rund 5400m. Unterwegs passierten wir verlassene Minen - Blei und Zink wurde hier abgebaut,
auch wenig Gold wurde gefunden. Ich inspizierte einen Stollen und sah die Metalladern. Die Mine wurde jedoch schon vor längerer Zeit aufgegeben - zu abgelegen, zu weite Transportwege, zu
tiefe Preise für Zink und Blei, um rentabel zu fördern. Nach knapp vier Stunden erreichten wir japsend nach Sauerstoff das Campo Alto auf 5400m. Es hatte nur gerade Platz für unsere zwei
Zelte. Kaum standen diese, begann es zu graupeln - wir verzogen uns ins Zelt und warteten auf Wetterbesserung. Gegen Abend zog es auf, und bei Coca Tee und Guetzli lernten wir Eulogio besser
kennen. Er ist 45 Jahre alt und seit 15 Jahren arbeitet er als Bergführer. Circa 600x war er auf dem Huayna Potosí, 100x auf dem Illimani. Der Illimani sei sein Favorit, er kenne alle der
vier Gipfel. Sein Traum sei der Aconcagua - die Gipfelgebühren von 500$ seien aber sehr viel für bolivianische Verhältnisse. Wir seien gut unterwegs, morgen wolle er um 1:30 starten
um bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu stehen. Julio, unser Koch, zauberte wieder ein super Menü auf den Tisch - eine kräftige Suppe und ein Poulet-Gemüse Reis. Kaum war es dunkel, kam die
Kälte - wir verzogen uns in die warmen Schlafsäcke um noch ein paar Stunden Schlaf zu ergatern. Ich machte mir Gedanken zum morgigen Tag - war die Akklimatisation ausreichend? Wir waren nun
schon ein paar Tage auf rund 4000m, am Tag vor der Abreise zum Illimani wanderten wir hoch auf 5400m - da hatte ich am Abend jedoch Kopfschmerzen. Im Campo Alto fühlte ich mich jedoch gut -
ich war daher optimistisch. Um Mitternacht hörte ich, wie der Kocher angeworfen wurde. Es gab Brot, Käse und Kaffee zum Zmorgen. Um 1:30 gings pünktlich los. Nach etwa 100 Hm
erreichten wir den Firn - am Seil und mit Steigeisen ging es weiter. Es wurde kälter und kälter. Ursina packte die Thermopads in die Handschuhe. Überraschend steil ging es einem Grat entlang
bis zu einem Pass links des Pico Sur. Die Waden spannten, der Sauerstoff fehlte. Es begann zu dämmern, als wir dem Grat folgend in Richtung Gipfel stiegen. Der Wind frischte auf, die Stimmung
um uns war jedoch gigantisch - ein Wolkenmeer im Tal, der rot verfärbte Horizont. Just auf dem Gipfel angekommen, ging die Sonne auf - perfektes Timing, ein magischer Moment. Die Strapazen
sind vergessen, die Sonnenstrahlen begannen uns aufzutauen. Endlich wieder mal mit Ursina gemeinsam auf einem hohen Gipfel, auf 6439m - in Nepal klappte es ja nicht. Keine Kopfschmerzen, die
Akklimatisierung war offenbar gut. Genuss pur.
Der Abstieg war wesentlich schneller - im kompakten Firn ging es steil bergab. Wir sahen nun, wo wir überall hochgeklettert sind, die Schneebrücken, welche wir überquert hatten und die
Firnwände. Im Hochlager erwartete uns Julio mit heissem Tee. Kurz vor 11 Uhr gings mit Sack und Pack weiter bergab ins Basecamp, wo wir im Bach die Füsse kühlten und entspannten.
Nach einem Zmittag gings zurück nach Pinaya, wo wir auf unser Taxi warteten um zurück nach La Paz zu kommen. Der Taxifahrer war aus dem hiesigen Dorf - entsprechend lange dauerte es, bis wir
los kamen. Um 21:00 trafen wir ziemlich durchgeschüttelt in La Paz ein. Im Hotel warteten bereits Nicole und Marc auf uns, was für eine Überraschung - bei einem Gipfelbier erzählten
wir vom Illimani. Morgen wagen sich Nicole und Marc an den Huayna Potosí, ihr erster 6000er. Wir drücken den beiden die Daumen und hoffen auf gutes Wetter!
Wir kamen
morgens gleichzeitig mit dem Sonnenaufgang in El Alto an. El Alto erstreckt sich weit über die Hochebene oberhalb von La Paz und war einst der Wohnort der vielen Campesinos (Bauern), die vom Land in
die Stadt zogen in der Hoffnung hier ein besseres Leben führen zu können. Heute ist El Alto eine Stadt für sich, in der mittlerweile mehr Leute leben als in La Paz. Nachdem die meisten Leute den Bus
in El Alto verlassen hatten, fuhren wir über die Autobahn rein in den Talkessel in dem sich La Paz befindet. Es schien als habe sich seit unserem letzten Besuch vor vier Jahren noch nicht allzu viel
getan. Der Verkehr ist immer noch gleich chaotisch, die überladenen Minibusse stossen schwarze Abgaswolken aus und mit einem raschen Durchkommen ist nicht zu rechnen, ausser man ist zu Fuss
unterwegs. Wie ferngesteuert fanden wir unser Hotel von vor fünf Jahren wieder und quartierten uns in dieser Oase mitten in La Paz für die nächsten Nächte ein. Dann hiess es Vorbereitungen treffen,
denn wir wollen in zwei Tagen aufbrechen zum Ilimani, einem imposanten 6000er, der über La Paz thront. Die Agentur hatten wir bereits ausfindig gemacht und alles sollte soweit bereit sein für unseren
Aufbruch. Wir trafen uns mit Genaro, dem Eigentümer der Agentur und gingen noch die letzten Details durch. Dann hatten wir dem Rest des Tages zur freien Verfügung. Wir schlenderten durch die Strassen
von La Paz, genossen das bunte Treiben, die Märkte, die feinen Salteñas (gefüllte Teigtaschen) und die Atmosphäre. Nachmittags entdeckten wir dann doch noch eine Neuerung - Mi Teleférico. Das sind
Gondelbahnen, die verschiedene Stadtteile miteinander verbinden, insbesondere das Stadtzentrum mit El Alto. Aktuell gibt es drei Linien, weitere sind jedoch in Planung. Die Fahrten für etwa 50 Rappen
sind ein echtes Highlight, denn die Ausblicke auf die Stadt und die umliegenden Berge sind atemberaubend. Abends gönnten wir uns wieder einmal ein Lomo de Llama (Lama Steak) und zum Dessert ein
Quinua-Glace. Auch die bolivianische Küche kann man gourmetmässig auslegen:-) Am zweiten Tag in La Paz kümmerten wir uns um unsere Akklimatisation. Wir stiegen auf den Chacaltaya (5395müM), auf dem
sich früher das einzige Skigebiet Boliviens befand. Heute zeugen bloss noch ein paar Skiliftmasten und eine Hütte des Club Andino Boliviano vom Skigebiet, aber wegen des Panoramas lohnt sich ein
Besuch weiterhin. Unser Taxifahrer, der uns an den Fuss des Chacaltayas brachte, hatte die Kupplung seines Minibusses nicht wirklich im Griff und Stephan musste an der Zahlstation der Autobahn
aussteigen und das Auto am Berg anschieben, bevor es etwas ruppig weiterging. Wir erfuhren später, dass der liebe Herr seit einigen Monaten pensioniert ist und sich ein Minibus (Taxi) zugetan hat,
damit er nicht mit seiner Frau zu Hause sitzen muss. Fahrschule hat er wohl keine besucht und wir waren heilfroh als er uns wieder in La Paz auslud. Abends trafen wir uns mit Nicole und Marc, die wir
zuletzt in Buenos Aires gesehen hatten. Es gab viel zu erzählen bei Rösti mit Spiegelei und Käse. Ein bisschen Heimweh- Schweizer sind wir alleweil! :-)
Von Potosí gings in einem Shared Taxi ins Tiefland nach Sucre (2800müM). Unser Fahrer fuhr ganz bedächtig - nach einer Stunde war jedoch Schluss. Er öffnete die Motorhaube und meinte, der Motor
sei überhitzt (es ging nur bergab!). Offensichtlich spinnte der Thermostat. Wir könnten unseren Fahrer mit keinem Argument zur Weiterfahrt bewegen - er bestellte ein Ersatztaxi in der Zentrale
und wir warteten 1h am Strassenrand. Kurz nach Mittag erreichten wir Sucre, die weisse Stadt. Unser Hostal CasArte war genial, mit einem schönen Garten zum Relaxen und komfortablen Zimmer. Wir
erkundeten die Stadt, testeten ein Vegirestaurant und besorgten uns anschliessend die Bustickets nach La Paz - eine 12 stündige Übernachtfahrt. Ein Highlight war der Mercado Central - hier gab es
mal wieder eine super Auswahl an Früchten und Gemüse. Wir deckten uns so ein, dass wir fast genötigt waren, im Hotel Znacht zu kochen! :-)
Am zweiten Tag machten wir beim Morgenessen Bekanntschaft mit Stephan und Olivia, Vater und Tochter aus Wädenswil. Die Chemie stimmte auf Anhieb und nachdem wir ziemlich beim Morgenessen
verhockten, besuchten wir gemeinsam eine City Tour durch Sucre. Hier erfuhren wir, dass Sucre auch die weisse Stadt genannt wird, jedes Haus pro Jahr einmal frisch weiss gestrichen werden muss,
dass es eine Studentenstadt ist und auch viele Studenten aus Chile kommen, da hier in Bolivien studieren gratis ist. Zudem ist Sucre ja die Hauptstadt von Bolivien, jedoch nur die Judikative
sitzt hier. Die Exekutive und Legislative ist in La Paz - ein spezielles Konstrukt. Auch besuchten wir den Markt, wo wir flüssige Merengue (süsses, geschlagenes Eiweiss) probierten. Das Finale
war auf der Recoleta, von wo wir einen schönen Ausblick über die einnachtende Stadt hatten. Beim Nachtessen überzeugten wir Olivia, mit uns am nächsten Tag in der Nähe von Sucre klettern zu
kommen. Sucre hat eine Klettergemeinschaft, welche Tagesausflüge anbietet. Justin, unser Guide, ist aus Colorado und lebt und klettert seit 5 Jahren in und um Sucre. Wir besuchten einen
Klettergarten am Stadtrand. Zuerst ging es an einfachen Backsteinbauten vorbei runter in eine Schlucht, welche nahe bei den Häusern auch als illegale Deponie diente. Der Klettergarten war jedoch
schön gelegen, die Routen in solidem Fels, steil, aber gute Griffe und Risse. Aller Anfang war wieder schwer, wir kletterten einen halben Tag lang verschiedene Routen von 5b bis 6a - war echt
cool, wieder Mal im Fels zu klettern. Olivia, das erste Mal im richtigen Fels unterwegs, meisterte alle Routen mit bravour! :-)
Am Abend besuchten wir das Festival del Chocolate, wo man von verschiedenen Konditoreien Trüffe, Schokoladenpopcorn oder "Quinoa Ovomaltine" probieren konnten. Auch der zweite Tag verging wie im
Flug und so mussten wir uns schon bald von Stephan und Olivia verabschieden, welche nach Santa Cruz weiterziehen.
Um 19:30 gings mit dem Bus über Potosí und Oruru nach La Paz, zurück aufs Altiplano.
Von den
Naturwundern rund um den Salar de Uyuni gings mit dem Bus in etwas mehr als drei Stunden weiter nach Potosí. Potosí ist eine Stadt auf über 4'000m am Fusse des Cerro Rico und war einst eine der
reichsten und grössten Städte der Welt, denn im Cerro Rico fanden die spanischen Kolonialherren im 16. Jahrhundert Unmengen an Silber. Die Stadt wurde 1545 gegründet, kurz nachdem mit der intensiven
Ausbeutung der Silbervorkommen im Cerro Rico begonnen wurde. Für das
Spanische Königreich war die Mine während fast drei Jahrhunderten ein Goldsegen. Die Arbeit
im Bergwerk wurde jedoch unter sklavenmässigen Bedingungen von den Einheimischen und teilweise sogar von importierten Afrikanern ausgeführt, wobei die afrikanischen Sklaven meist nicht lange
überlebten, da sie mit der Höhe und den Arbeitsbedingungen schlecht zurecht kamen. Einer Schätzung nach sollen über 8 Millionen Bergleute im Laufe der Kolonialherrschaft ums Leben gekommen sein. Mit
der Mine entwickelte sich auch die Stadt Potosí, es entstanden prachtvolle Kolonialbauten, über 80 Kirchen wurden gebaut und die Bevölkerung stieg gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf über 200'000 an.
Doch dann begannen die geförderten Silbermengen zu schwinden, der Silberpreis sank und die Stadt geriet in die Wirren des Unabhängigkeitskriegs. Mitte 19. Jahrhundert lebten weniger als 10'000
Personen in Potosí. Heute wird am Cerro Rico wieder stärker Bergbau betrieben, denn die Nachfrage nach Zink hat den Aktivitäten im Berg und der Stadt neuen Aufschwung gegeben. Die Mineros arbeiten
nun auf eigene Rechnung und sind Gewerkschaften angeschlossen, doch die Arbeitsbedingungen sind immer noch katastrophal und die Lebenserwartung tief. In geführten Gruppen kann man heute die Minen
besuchen. Wir entschieden uns nach längerem Abwägen zu einer Tour mit ehemaligen Mineros. Bevor die Tour am Montag Morgen los ging, mussten wir einen Vertrag unterzeichnen, dass wir uns auf eigene
Gefahr in die Mine begeben und dass die Firma nicht verantwortlich gemacht werden kann für Unfälle, Verletzungen oder Todesfälle. Spätestens jetzt wurde uns klar, dass dies kein Besuch eines Museums
werden würde, sondern uns einen Einblick in einen der gefährlichsten Arbeitsplätze gewähren wird. Mit unserem Guide gingen wir zuerst auf den Markt der Mineros. Hier wird alles verkauft was ein
Minero benötigt, von der Schaufel, über Dynamit bis hin zu Cocablättern und Alkohol. Wir kauften kalte Getränke und Cocablätter als Mitbringsel für die Mineros. Dann gings weiter zu einem Ingenio.
Ein Ingenio ist eine Fabrik, wo das Erz zermahlen wird und dann das Metall unter Beimischung von Chemikalien vom Gestein getrennt wird. Die Mineros bringen ihre wöchentliche Produktion zu den
Ingenios, wo sie dann einen Preis für die abgeladenen Tonnen erhalten, basierend auf der Qualität des Erzes. Beto, unser 28-jährige Guide und Ex-Minero meinte, hier würden die Mineros von den grossen
Ingenio-Firmen jeweils über den Tisch gezogen. Wir fuhren weiter zur Mine und begaben uns mit Beto ins Labyrinth der Schächte. Anfangs war die Luft noch gut, je weiter wir jedoch ins Berginnere
vordrangen, desto stickiger, heisser und staubiger wurde die Luft. Teilweise auf allen vieren bewegten wir uns vorwärts und wir waren erst rund 60m unter dem Eingang als wir alle bereits etwas Mühe
hatten mit dem Atmen und der Hitze. Die Gänge waren angsteinflössend und sahen aus als könnten sie jederzeit einbrechen. Die Mine verfügt über Schächte, die über 1500m tief sind, denn im tiefen
Innern des Berges sind die Schätze verborgen. Da unten muss es wie in der Hölle sein. Die Mineros beten in der Mine denn auch nicht zu Gott, sondern zum Teufel "El Tio" wie sie ihn hier nennen. Er
soll die Mineros in dieser Unterwelt beschützen. Unser Guide Beto hat selbst 16 Jahre lang in der Mine geschuftet und gab uns aufrichtig Auskunft zum Leben als Minero. Er führte uns auch zu den
arbeitenden Mineros, die froh waren um etwas Ablenkung und um die kalten Getränke und Cocablätter. Alle sind sie gezeichnet von der schweren Arbeit und jeder Tag im Berg verkürzt ihr Leben draussen,
doch nichtsdestotrotz sind sie auch stolz darauf Mineros zu sein. Mich haben diese Männer beeindruckt - ihre Leistung an diesem gefährlichen, menschenfeindlichen Arbeitsplatz, der Zusammenhalt in
ihrer Gemeinschaft und den Schalk, den sie trotz dieser beinharten Arbeit nicht verloren haben. Ob der Besuch der Mine nun Voyeurismus ist oder nicht, darüber lässt sich streiten,aber ich weiss nun
zumindest unter welchen Bedingungen das Silber für mein Schmuck gefördert wurde und ich wünschte mir, dass es auch für Edelmetalle so etwas wie Fair Trade geben würde.......
Eigentlich hatten wir vor 4 Jahren ziemlich die gleiche Tour zusammen mit Albin und Jeanette schon mal gemacht - trotzdem oder gerade deshalb entschlossen wir uns, nochmals 3 Tage im Landcruiser
zu sitzen und eine der spektakulärsten Landschaften zu geniessen. Mit uns im Offroader sassen Curtley aus Australien, Alex aus Holland und Mariana und Flavia aus Brasilien, dazu unser Fahrer,
Guide und Koch Gilman. Mit von der Partie war auch der Landcruiser, eigentlich ein Lexus LX-450, der jedoch genau gleich aussieht und sich nur in Details vom Toyota unterscheidet. Mit Baujahr
1997 und 330'000km auf dem Tacho liess dieses Gefährt kein einziges Mal Unsicherheit aufkommen - einen Platten pro Tour ist normal und wir waren so voll im Schnitt. Offenbar besteht die ganze um
den Salar de Uyuni verwendete Flotte (alles ältere Toyota Landcruiser und Lexus) aus Occassions-Exporten aus Japan oder Amerika - die Fahrzeuge bekommen hier in Bolivien einen sehr langen
Lebensabend! :-)
Unsere Tour startete am frühen Morgen mit einem Frühstück beim bolivianischen Grenzposten. Die Einreise nach Bolivien ging überraschend schnell - kein Scannen des Passes, keine Fingerabdrücke,
nur einen Schwung mit dem Stempel und "Bienvenido en Bolivia!" Auf nun Schotterpisten ging es in den Nationalpark - erst zur Laguna Verde (die war jedoch noch eher grau, da sie am frühen Morgen
gefroren war und kein Wind wehte), dann zu einem Thermalbad, wo es in der Morgensonne ein warmes Bad gab. Von hier ging es mit dem Jeep auf knapp 5000m hoch zu einem Geysierfeld. Schlamm
brodelte, Geysire dampften und es stank fürchterlich nach verfaulten Eiern - entsprechend kurz war der Aufenthalt. Offenbar wurde in den letzten Jahren ein Geothermiekraftwerk gebaut, welches
nächstens in Betrieb genommen werden soll und die umliegenden Dörfer mit Strom versorgen wird. Tief bohren mussten sie dafür nicht! Bei der Laguna Colorada, dem Highlight des Tages, lag auch
unsere Unterkunft. Den Nachmittag verbrachten wir an der Lagune, fotografierten die Landschaft, die verschiedenen Flamingos und die Lamas. Dieser Ort ist echt genial! Natürlich waren wir nicht
alleine - der Parkplatz bei der Laguna sah aus wie bei einem Landcruiser Treff, etwa 20 Fahrzeuge standen in Reih und Glied. Am Abend zurück in der Unterkunft wurden die Fahrzeuge gehätschelt,
geputzt, die platten Reifen geflickt und alles, was auf der Schotterpiste klippert hat mit Isolierband abgeklebt - Rally Feeling pur! Die Nacht war kalt und wir waren einmal mehr froh um unsere
Schlafsäcke (-2 Grad in unserem 6er Zimmer). Curtley war etwas Höhenkrank (die Unterkunft lag auf 4400müM) und war froh, dass es nun in tiefere Lagen ging. Erst besuchten wir den "Arbol de
Piedra", dann die "7 Lagunas" und danach noch einen Aussichtspunkt auf einen rauchenden Vulkan. Über einen kleineren Salzsee ging es rassig entlang einer Eisenbahnlinie (wird nur noch für
Gütertransporte nach Chile verwendet) zu unserer zweiten Unterkunft, einem Salzhotel. Das Hotel ist aus Salz vom Salar de Uyuni gebaut. Das Salz wurde in Backsteingrösse aus dem Salar gesägt und
bildet so den Hauptbaustoff des Hotels. Die Fugen sind ebenfalls mit Salz verputzt, der Boden besteht aus groben Salzkörnern. Das Hotel war gekonnt dekoriert - echt sympathisch! Nun auf 3700m
ging es allen wieder gut und es gab viel zu erzählen am Salztisch. :-)
Die Nacht war kurz,
um 5:30
Uhr ging es los auf den Salar de Uyuni. Ziel war die Kaktusinsel, um da den Sonnenaufgang zu bestaunen. Es war nicht einfach für Gilman uns dahin zu navigieren, Strassen gibt es auf dem
Salar keine. Bei 80km/h stellte er in der Nacht die Scheinwerfer ab - und nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten sah man in der Ferne einen schwarzen Punkt auf dem weissen Salar.
Darauf fuhren wir zu. In der Morgendämmerung trafen wir ein und machten uns schnell an den Aufstieg. Die Insel liegt im Salar und ist reich bewachsen mit riesigen Kakteen. Wir genossen die
Morgenstimmung - die beleuchteten Wolken und dann die ersten Sonnenstrahlen auf der Insel. Anschliessend gab es heissen Kaffee und frischen Kuchen - so lässt es sich gut in den Tag starten. Der
Salar de Uyuni ist der grösste Salzsee der Welt. Mit 10'000km2 würde er einen Viertel der Schweiz bedecken. Zudem ist der Salar das grösste Litiumvorkommen weltweit - ein grosses Potential für
Bolivien bietet der Bedarf an Lithium für die Elektroautoindustrie. Darum wurde nahe von Uyuni nun eine Pilotförderanlage gebaut. Wir spazierten auf dem Salzsee umher und begannen natürlich auch,
ein paar Fotos zu schiessen. Da alles weiss ist, kann gut mit der Perspektive gespielt werden. Am Rand des Salzsees besuchten wir noch das erste Salzhotel und eine Werkstatt, wo Speisesalz
verpackt wird. Das Salz muss erst auf einer grossen Herdplatte getrocknet werden. Nach 2h auskühlen wird das Salz fein gemalen und in Plastiktüten abgefüllt. Obwohl das Salz auf dem Boden liegt -
reich wird man damit nicht. Die Touristenpackung 250g wurde für gut 10Rp. verkauft - da zahlt man primär die Verpackung. Unser letzter Stop war der "Cementerio de los trenes" - ein
Dampflokfriedhof und Schrottplatz bei Uyuni. Und ja, dann hiess es mal wieder Abschied nehmen - von Gilman, Alex, Curtley, Mariana und Flavia. War eine coole Tour zusammen, hat Spass gemacht! Wir
fuhren per Bus direkt weiter nach Potosí, der Minenstadt. Neu braucht man dafür nur noch 3.5h auf der niegelnagelneuen Strasse - es geht immer mehr vorwärts in Bolivien! :-)