Um Ecuador etwas besser kennen zu lernen, mieteten wir in Guayaquil ein Auto. Ursprünglich wollten wir einen kleinen 4x4, um die Laguna Quilotoa besuchen zu können - doch dieses Auto war nicht
verfügbar. Für einmal hatten wir Glück - es gab ein Upgrade auf den grössten Jeep der Flotte. Mit einem breiten Grinsen fuhren wir los nach Cuenca. Von angenehmen 28° am Meer ging es bald in die Höhe
- wir passierten schlussendlich „Tres Cruzes“ auf 4’150m. Draussen hatte es nur noch 6°C und es regnete leicht. In Cuenca angekommen packten wir ziemlich schnell die Daunenjacken aus. Am
darauffolgenden Tag schien die Sonne und es war angenehm warm. Wir erkundeten zu Fuss Cuenca, besuchten verschiedene Kirchen, und genossen die schöne, koloniale Altstadt. Am Mittag packten wir wieder
unsere Sachen und fuhren zurück nach Guayaquil und gleich weiter der Küste nach Richtung Norden nach Montanita. Am Strand bezogen wir in einem Surfcamp unsere Unterkunft - wir hofften auf einen
weiteren, schönen Tag um etwas zu surfen und die Sonne zu geniessen. Doch am Morgen war alles grau, bewölkt und das Meer lud nicht wirklich zum Baden ein. Also fuhren wir weiter nach Puerto Lopez,
einem Fischerdorf weiter im Norden. Unterwegs gab es feinen Fisch und der Kellner fragte uns, ob wir nicht auf eine Walbeobachtungstour gehen möchten. Er war ein sympatischer Typ und so stimmten wir
zu. Mit einem Fischerboot ging es raus aufs offene Meer. Mit dabei war ein Helfer, welcher auf dem Dach sass und nach Walen Ausschau hielt. Das Meer war ziemlich rauh - wir waren froh, dass wir von
Galapagos her noch „akklimatisiert“ waren. Buckelwale kommen jedes Jahr an die Küste von Ecuador für die Paarung - offenbar gibt es nur noch etwa 7’000 dieser Meeressäuger, aber von Mai bis September
hat man gute Chancen Wale zu sehen - sie kommen zu Hunderten in diese Gewässer. Normalerweise sind sie zu zweit unterwegs - sobald man eine Fontäne hörte, folgte bald darauf eine zweite und kurz nach
der Fontäne wurden die Riesen sichtbar. Es war beeindruckend, die Wale zu beobachten. Nach zwei Stunden kamen wir ziemlich durchgeschüttelt zurück an Land - es war aber ein cooler Ausflug! Wir
verbrachten eine Nacht im Hostal Mandala - eine von Schweizer geführte Wohlfühloase am Meer. Am nächsten Tag genossen wir zum letzten Mal das Meer und den Strand im nahe gelegenen Naturreservat Los
Frailes. Klares Wasser, feiner Sand, wenig Leute - ein richtiges Paradies. Von nun an ging es wieder ins Landesinnere - wir verbrachten eine Nacht in Portoviejo - eine Stadt, welche man nicht gesehen
haben muss. Als wir die Receptionistin fragten, was es hier zu sehen gibt, meinte sie den Strand im 40km entfernten Manta und ja - es gäbe hier noch ein Museum! ;-) Wir übernachteten bloss in
Portoviejo und fuhren früh weiter zur Laguna Quilotoa. Unterwegs passierten wir endlose Cacao- und Bananenplantagen. Zu Beginn war es tropisch, als wir zu den Bergen kamen wurde es feucht und neblig
und nur kurz hinter dem Pass, erneut auf knapp 4000m, war es trocken und staubig. Mit der Landschaft änderten sich auch die Leute. Im Hochland sahen wir wieder viele, traditionell gekleidete Menschen
- ähnlich wie im Hochland von Bolivien und Peru. Die Laguna Quilotoa ist wirklich schön - ein See in einem Vulkankrater. Der Weg runter ans Ufer war jedoch eine staubige Angelegenheit - und um
ehrlich zu sein, die Sicht von oben war wesentlich besser. In Chugchilan, einem 100 Seelendorf, fanden wir ein super Hostel namens Mama Hilda. Am Abend gab es für alle Gäste ein Menü, welches wie in
SAC Hütten direkt in den Töpfen serviert wurde - Linsensuppe, Reis und Lomo Salteado - war echt lecker. Am Abend feuerten wir in unserem Zimmer das Cheminée ein und verkrochen uns unter der warmen
Decke. Wir beendeten am nächsten Tag den Quilotoa Loop und fuhren ein kurzes Stück auf der Panamericana bis zum Cotopaxi Nationalpark. Einmal mehr waren wir froh um unseren Jeep - die Strasse hoch
zum Cotopaxi Parkplatz auf 4600m war ziemlich holprig. Da angekommen windete es uns fast aus den Socken - ein Fönfisch schwebte über dem Gipfel und wir mussten uns ziemlich gegen den Wind stemmen,
als wir zum Refugio aufbrachen. Ursina und Nicole wurde es zu bunt und sie drehten um und warteten im Auto auf uns. Zusammen mit Marc stieg ich auf zum Refugio und noch etwas weiter bis zum
Gletscheranfang - die Farben und die Sicht auf den Nationalpark waren auch diesmal wieder genial. Wir fuhren weiter zum Hotel Tambopaxi, welches im Nationalpark liegt. Der Wintergarten lud richtig
zum Jassen ein - es gibt daher diesmal keine Fotos vom Sonnenuntergang - Ursina und ich stemmten uns nach einem Zwischenhoch gegen eine Niederlage. In der Hitze des Gefechts blieb die Kamera liegen.
;-) Und ja, dann war unser Roadtrip zu Ende. Wir fuhren nach Quito, bezogen unser Zimmer im Cafe Cultura. Für den Abend hatte Diego Karten für einen Fussballmatch organisiert. Marc und ich deckten
uns auf dem Markt mit einem Fanshirt ein und schlussendlich fuhren wir zu acht zum Spiel Independiente de Valle gegen Liga de Quito. Das Stadion war vergleichbar mit dem alten Espenmoos in St. Gallen
und bot nur gerade Platz für 8’000 Zuschauer. Die Stimmung war super und zum Schluss stand es 1:3 - Sieg für Liga! Gemeinsam mit Diego, José, Amy, Lorea und Miguel ging es in den Ausgang - wir
konnten wieder mal tüchtig unser Spanisch verwenden - es war ein super Abend. Am letzten Tag in Quito wurden wir erst von Elisabeth verwöhnt - sie kochte für uns eine lokale Suppe mit Kürbis,
frischem Mais, Kartoffeln und Käse. Absolut genial! José und Amy zeigten uns am Nachmittag ein Museum und „La Ronda“ in der Altstadt. Es ist schon super, Familie in Quito zu haben - muchas gracias a
todos!
Die Zeit
hier in Ecuador verging wie im Flug - knapp 5 Wochen in Südamerika sind bereits um. Am
Samstag waren
wir bei Michelle und Diego eingeladen - es gab Langostinos a la plancha, Riesencrevetten von der Küste. Super lecker! Nach einem intensiven Ausgang mit den "Primos" hiess es Packen. Ich bin
mittlerweile Experte für High Density Packages - doof ist einfach, dass der Rucksack dadurch nicht leichter wird!;-) Anschliessend gab es nochmals ein Festessen, diesmal bei Alberto, dem Bruder von
Mama Helena. Dann hiess es bereits Abschied nehmen - ein trauriger Moment! Wir haben die Zeit bei Mama Helena und auch die Ausflüge mit Michelle, Diego und Sami sehr genossen. Die guten Gespräche,
die Filme am Abend auf Spanisch, das gemeinsame Kochen und Backen, das feine Essen werden wir vermissen. Und doch freuen wir uns auf die kommenden Monate, wo wir unser Spanisch weiter unten im Süden
challengen können. Danke für alles, Mama Helena, Michelle und Co!
Um unser Spanisch weiter aufzupolieren und um eine weitere Region und Klimazone kennen zu lernen entschieden wir uns, eine Woche in Ahuana die Schulbank zu drücken. Selva heisst die Region,
welche zum Amazonas gehört - hier ist es feucht und heiss, alles lebt und man sagt, dass in einem Hektar "Selva" gleich viele verschiedene Pflanzenarten existieren wie in ganz Europa zusammen -
Wahnsinn! In 5h ging es mit einem Minibus und unserem "Profesor" von Quito ins kleine Ahuana, das bekannt ist für das Hotel Casa del Suizo, eine der ersten Urwaldlodges in dieser Region. Unsere
Lodge, welche zur Sprachschule in Quito gehört, lag 2km vom Dorf entfernt alleine mitten im Dschungel. Es gab ein Hauptgebäude mit Küche, Ess- und Wohnbereich. Daneben standen drei Bungalows. Die
Anlage ist ziemlich neu und wirklich chillig gestaltet. Im Garten hatte es verschiedene Blumen und Früchte - und auch Cacao Bäume!
Da wir die einzigen beiden Studenten waren, hatten wir am Morgen jeweils je 3h Privatunterricht, am Nachmittag entdeckten wir mit Jaime, unserem Dschungelcampinstruktor, den Urwald. Entweder zu
Fuss, mit Gummistiefeln quer durch die Wildnis oder per Boot auf dem Rio Napa. Neben Millionen von Mücken sahen wir auf diesen Exkursionen Schlangen, Affen, Kaimane, Frösche, riesige
Schmetterlinge und unheimlich viele verschiedene Insekten - war echt spannend! Interessant war auch der Besuch bei einer Indio-Familie, wo gezeigt wurde, wie Chicha - das lokale
Grundnahrungsmittel hergestellt wird und wo wir auch Blasrohr schiessen probieren konnten. Eines Abends stellten wir mit dem Koch sogar eigene Schokolade her - mmh! :-) Übrigens, frische
Kakaobohnen sind in leckeres Fruchtfleisch eingepackt, welches ähnlich schmeckt wie Litschis - erfrischend süss. Die Kerne werden an der Sonne 4 Tage lang getrocknet, bekommen den
Schokoladengeschmack jedoch erst nach dem Rösten. Eine weitere Spezialität waren frische Ameisen, die nach Zitrone schmecken - wir probierten diese tapfer, frisch vom Baumstamm. Der Geschmack war
gut, wir werden in Zukunft aber Zitronen vorziehen! ;-) Eines Abends besuchten wir in Ahuana ein Fussballspiel - unser Guide spielte gegen den Küchengehilfen. War ein echtes Spektakel im 1500
Seelen Kaff! :-)
Nach einer Woche bei durchschnittlich mehr als 92% Luftfeuchtigkeit waren wir froh, zurück zu Mama Helena ins trocknere Quito reisen zu können. Unsere Bücher haben sich schon fast aufgelöst! :-)
Die ersten zweieinhalb Wochen in Quito besuchten wir die Spanisch-Sprachschule „Andean Global Studies“ in Gehdistanz von unserem Zuhause, nahe des Parque Carolina. Es ist eine kleine
Sprachschule, jedoch mit gutem Ambiente, freundlichen Lehrern und ziemlich unkompliziert. Am ersten Tag platzten wir einfach rein und fragten, ob wir uns für einen Sprachkurs anmelden können. Am
darauf folgenden Tag hatten wir bereits je zwei Privatstunden, in denen unser Niveau ermittelt wurde. Am Freitag besuchten wir je 3h Privatunterricht und nach dem Wochenende begannen wir mit 4h
Privatunterricht jeweils am Morgen. Weshalb Privatunterricht? Zum einen, weil unser Niveau zwischen Stuhl und Bank liegt - wir verstehen bereits einiges, der Wortschatz ist auch nicht schlecht,
jedoch mit Verben konjugieren und den Zeitformen hapert es massiv, zumindest bei mir. Ursina hat vor fünf Jahren an der FH zwei Semester Spanisch besucht und ist so natürlich besser aufgestellt.
Zum zweiten weil eine Privatstunde lediglich 10$ kostet, eine Stunde in der Klasse 7$. Nach 4h Spanisch rauchte uns jeweils ziemlich der Kopf, und zu Hause bei Mama Helena ging der Spanischkurs
weiter. Ziemlich intensiv! :-) Cool waren neben unseren Lehrerinnen Amparo und Evelyn auch die Kochkurse und der Salsakurs am Donnerstag Abend. Manuel, ein Lehrer und leidenschaftlicher Salsa
Tänzer, brachte uns verschiedene Schritte bei. Nach unserem Kolumbientrip gehen wir nächste Woche in die Selva (Dschungel im Amazonas Becken) wo unserer Sprachschule ebenfalls eine Niederlassung
hat - dann heist es nochmals eine Woche Spanisch büffeln kombiniert mit verschiedenen Exkursionen im Dschungel. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass die Mücken gnädig mit uns sind.
:-)
Nach der ersten ganzen Schulwoche brauchten wir erst mal etwas frische Luft für unsere Köpfe. Wir planten deshalb für das Wochenende einen Ausflug zum Cotopaxi Nationalpark und zur Laguna
Quilotoa. Mit Michelle, Diego und Samantha hatten wir eine sympathische, einheimische Begleitung. Rund zwei Stunden später als geplant (...Pünktlichkeit ist nicht eine Kernkompetenz der
Ecuadorianer;-)) fuhren wir zu fünft los in Richtung Cotopaxi Nationalpark. Der Cotopaxi ist mit 5'897m der zweithöchste Berg Ecuadors und einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde. Bereits
während unseres letzten Besuchs in Ecuador erklommen wir den Berg, doch leider im dichtesten Nebel. Dieses Mal sollten wir mehr Glück haben mit der Weitsicht. Der Cotopaxi liegt im nach ihm
benannten Nationalpark, den wir nach knapp zwei Stunden Fahrzeit erreichten. Auf dem Weg zum Nationalpark wurden wir von der Polizei angehalten - wir waren sagenhafte 2 kmph zu schnell
unterwegs.....pfff! Im Nationalpark angekommen nahmen wir die Strasse in Richtung Refugio José Ribas in Angriff. Bald waren wir froh um den Jeep, der uns bis zum Parkplatz auf rund 4'600m brachte
- die Strasse wurde immer ruppiger und steiler. Von da an mussten wir zu Fuss weiter bis zum Refugio, das auf rund 4'800m liegt. Die wärmsten Kleider wurden hervorgeholt und wir mummten uns ein,
denn das Wetter draussen war nicht gerade einladend. Als wir den Aufstieg in Angriff nahmen besserte sich das Wetter jedoch und je höher wir kamen, desto mehr lösten sich die Wolken auf. Die
Aussicht war traumhaft und am liebsten hätten Stephan und ich nochmals den Gipfel in Angriff genommen. Dieses Mal gingen wir jedoch lediglich bis zum Gletscher und kehrten dann zu unseren
ecuadorianischen Freunden zurück, die es sich im Refugio gemütlich gemacht hatten. Der Abstieg ging rassig und schon bald trafen wir bei unserem Hotel ein, das im Nationalpark lag und
wunderschöne Aussichten auf den Cotopaxi versprach. Wir wurden nicht enttäuscht! Das Hotel war super, die Aussicht traumhaft und mit dem Cheminee im Zimmer war auch die Nacht nicht allzu kalt.
Für den nächsten Morgen um 8 Uhr hatten wir einen Reitausflug im Nationalpark geplant. Bis die Pferde jedoch endlich auftauchten war es bereits fast 9 Uhr (....ja auch die ecuadorianischen Pferde
haben es nicht so mit der Pünktlichkeit:)). Wir bekamen alle ein Pferd zugeteilt und los gings. Mein Pferd machte erst mal einen guten Eindruck und die Landschaft, die wir hoch zu Pferd
durchquerten war bezaubernd. Wir waren bereits auf dem Rückweg als es einen Grashang hinunterging. Mein Pferd galoppierte dem von Stephan nach und ich verlor den Halt in den nicht ganz opitmalen
Reitbügeln. Das Eine ergab das Andere und bald sah ich nur noch eine Möglichkeit - den mehr oder weniger kontrollierten Absprung. Ich hatte Glück im Unglück und blieb ziemlich unversehrt. Als wir
zurück zum Hotel kamen, war es leider bereits zu spät um zur Laguna Quilotoa weiterzufahren. Wir genossen daher noch etwas den Cotopaxi Nationalpark und machten uns am Nachmittag auf den Rückweg
nach Quito. Ja, wir erlebten mehr Action als erwartet! ;-)
Die ersten Tage in Quito waren gemütlich. Wir bewunderten die schöne Altstadt von Quito, organisierten unsere Sprachschule und kamen bereits in der ersten halben Woche in den Genuss von Spanisch
Lektionen. Am Wochenende besuchten wir zusammen mit Michelle, Diego und Sami den Krater von Pululahua und Mitad del Mundo - der Ort wo die Equatorlinie durch läuft. Hier gibt es ein imposantes
Monument und verschiedene Museen mit Experimenten zum Thema Equator - ist wirklich sehenswert!