San Pedro de Atacama, 12.5. - 14.5.15


Nun wieder auf den öffentlichen Verkehr angewiesen, nahmen wir am Dienstag Morgen den ersten Bus nach San Pedro de Atacama. Die 10-stündige Busfahrt verging wie im Flug, denn landschaftlich war die Gegend wieder einmal beeindruckend. Auf der argentinischen Seite des rund 4400m hohen Jama-Passes gabs farbige Quebradas (Canyons), Salzseen und blaue Lagunas. Kurz vor der Passhöhe verliessen wir endgültig Argentinien und reisten wieder in Chile ein. Die Grenzübertritte zwischen den beiden Ländern sind ziemlich easy, die Beamten arbeiten Schulter an Schulter und überraschend speditiv (wenn sie nicht gerade streiken;-)) Auf der chilenischen Seite gings bald runter in die Atacama-Wüste, welche sich soweit das Auge reicht vor uns erstreckte. In San Pedro de Atacama, einem Oasenstädtchen, quartierten wir uns drei Nächte ein um die Gegend zu erkunden. Gleich am ersten Morgen machten wir uns in aller Herrgottsfrühe auf den Weg zu den El Tatio-Geysiren, denn rund 95km nördlich von San Pedro liegt eines der höchsten und grössten Geysirfelder der Welt. Wir froren mit gefühlten 200 anderen Touristen dem Sonnenaufgang entgegen und knipsten mit klammen Fingern Fotos der rauchenden Geysiren. Die Stimmung im Morgenlicht war super und mit der Sonne kam endlich auch die Wärme. Bloss Stephan schlotterte weiter vor sich hin, bei ihm machte sich eine Lebensmittelvergiftung inklusive Fieber und Schüttelfrost bemerkbar. In Machuca, einem kleinen Weiler auf dem Rückweg der Geysiren erhielt Stephan ein Chachacoma-Tee welcher gut sein soll für alles. Sobald wir zurück in San Pedro waren, hiess es für Stephan trotzdem nur noch ab ins Bett. Ich erkundete San Pedro auf eigene Faust. Beim Kaffee am Hauptplatz wurde meinem Tischnachbar das Fahrrad hinter dem Rücken und vor allen Gästen (ohne dass es jemand merkte) geklaut. So schnell kanns also gehen! Zurück in unserer Unterkunft päppelte ich Stephan auf und Tags darauf fühlte er sich wirklich wieder besser. Wir entschieden uns daher doch nochmals zu einer 3-tägigen Tour nach Uyuni, obwohl wir vor fünf Jahren während unserer Bolivien-Reise schon einmal eine ähnliche Tour gemacht hatten. Bezahlen konnten wir bloss einen Teil der Tour gleich vor Ort, denn uns gingen die chilenischen Pesos aus und alle drei Bankomaten im Ort waren entweder defekt oder wollten unsere Karten nicht annehmen. Bevor wir in Richtung Uyuni aufbrachen erkundeten wir aber noch die nähere Umgebung von San Pedro mit dem Fahrrad, so zum Beispiel das Valle de la Muerte, wo wir Sandboarder beobachteten. Die Fotos zu San Pedro die findet ihr untenstehend.

Santiago de Chile, 24.04. - 27.04.15

Eigentlich wollten wir ja bloss den Vulkan Calbuco grossräumig umfahren um doch noch nach Bariloche zu gelangen, doch es kam mal wieder einiges anders als geplant. Bereits als wir am Morgen unser Hostel in Osorno verliessen, hatte es dichten Nebel. Ob nun durch den Vulkan bedingt oder nicht, da sind wir uns nicht sicher. Auf jeden Fall begleitete uns dieser dichte Nebel oder eben die Aschewolke auch während rund drei Stunden Fahrzeit in Richtung Norden. Erst als wir auf der Höhe von Pucón  (ca. 300km entfernt vom Vulkan) waren, verzog sich der Nebel, die Sicht bliebt jedoch sehr dunstig. Pucón ist einer der beliebtesten Outdoor-Touristenorte in Chile. Neben der Besteigung des Vulkans Villarrica steht die ganze Palette an Sportarten im Angebot - von Kajaken über Reiten, Klettern, Wandern, Skifahren im Winter usw. In Pucón angekommen war jedoch alles mit einer dünnen Ascheschicht überzogen und auch beim Atmen merkten wir, dass es Aschepartikel in der Luft hatte. Die Einheimischen waren alle mit Atemschutzmasken unterwegs. Der "Haus"-Vulkan Villarrica war statt schneeweiss aschgrau. Wir wollten in Pucón mal wieder ein paar Seillängen klettern und später in San Martín del los Andes ein Trekking machen, aber mit diesen Aschepartikeln in der Luft und der Asche auf den Felsen wäre das kein Spass gewesen. Auch zeigten die neusten Fernsehreportagen, dass der Vulkan das öffentliche Leben in Bariloche ziemlich lahmgelegt habe und es war auch nicht mit einer Verbesserung der Situation in den nächsten Tagen zu rechnen. Also schrieben wir schweren Herzens Bariloche ab (resp. verschoben die Region wieder auf unsere To-Do-Liste) und kauften noch für denselben Abend ein Weiterfahrtbillet nach Santiago de Chile, Chiles Hauptstadt. Bevor es aber soweit war, schauten wir in der Dämmerung dem Vulkan Villarrica beim Lava speien zu. Der Vulkan war erst Ende März ebenfalls nach einer längeren ruhigen Periode wieder ausgebrochen und Abends kann man die Lava (mit dem Feldstecher) gut sehen. Dann gings komfortabel im Bus nach Santiago. In Santiago und Agglomeration leben rund 6.5 der 17 Millionen Chilenen. Die Stadt, wie auch das Land Chile, boomt. Wir quartierten uns im Stadtviertel Bellavista ein, einem Viertel mit super Restaurants und Bars, vielen Graffitis und einer aktiven Kunstszene. Santiago hat uns beiden sehr gut gefallen. Es gibt viele Parks, schöne Museen, alte Kolonialbauten und neue Architektur und vor allem gemütliche, attraktive Restaurants und Bars mit köstlichem Essen, guten Weinen und top Pisco-Sours! Auf dem Fischmarkt von Santiago bekommt man frische Fische und Meeresfrüchte, die in den kleinen Restaurants neben den Marktständen zu leckeren Ceviches oder Chupe de Mariscos verarbeitet werden. Und dann gibt es da noch die "Cafe con Piernas". Unser Guide während der Walking-Tour durch Santiago erklärte das Phänomen wie folgt: Die Chilenen mögen eigentlich den Geschmack von Kaffee überhaupt nicht. Kaffee wird daher nur mit viel Zucker getrunken - Instantkaffee versteht sich! Damit die Leute, vorzugsweise Geschäftsmänner, also dennoch ein Cafe aufsuchen benötigen sie andere Anreize. So entstanden die "Cafe con Piernas", Kaffeelokale in denen lediglich leicht bekleidete Servierdüsen arbeiten. Die meisten dieser Lokale befinden sich im Finanzdistrikt - oh wunder;-) Während der Führung lernten wir auch, dass rund 600'000 streuende Hunde in Santiago leben. Diese werden jedoch von den Einwohnern der jeweiligen Quartieren gefüttert und haben teils sogar ein Hundehäuschen. Es gibt bloss zwei Dinge, die die Strassenhunde nicht mögen - Auto- und Velopneus und Polizisten. Stephan wird die Carretera Austral deshalb wohl nie mit dem Fahrrad in Angriff nehmen:-) Die Tage in Santiago vergingen wie im Flug und schon hiess es wieder Abschied nehmen von Chile. Über den Bermejo-Pass fuhren wir bei spektakulären Aussichten wieder nach Argentinien, nach Mendoza. 

Isla Chiloé, 21.4. - 23.4.15

Die 5h Überfahrt von Chaitén nach Quellón vergingen wie im Flug. Wir trafen zwei Schweizer, welche mit ihrem selbst entworfenen LKW-Wohnmobil drei Jahre unterwegs sind, ein Lastwagenmechaniker und eine Ärztin. War spannend mit den beiden zu diskutieren. Dann erweiterten wir unser Reisegrüppchen mit Martin aus Flensburg, welcher als Ingenieur auf einer Bohrplattform vor Brasilien arbeitet. Drei Monate schuften, drei Monate Ferien - das ist sein Arbeitsplan. Es war interessant zu hören, wie das Leben im Ölbusiness so abläuft. Schon waren wir in Quellón. Unser Reiseführer warnte uns vor hoher Kriminalität im Städtchen, denn die Region um Puerto Montt und vor allem die Insel Chiloé kämpfen mit hohen Arbeitslosigkeitsraten. Die Region war einst nach Norwegen der zweitgrösste Lachsproduzent. Im Jahr 2007 brach jedoch eine Krankheit in den Farmen aus, die Produktion sank von 400'000t auf 100'000t pro Jahr, 26'000 Jobs in der Umgebung gingen verloren, die Arbeitslosigkeit explodierte. Die darauf folgende Weltwirtschaftskrise führte dazu, dass sich die Industrie nicht wirklich erholen konnte. Inzwischen hat sich die Situation wieder etwas stabilisiert. Wir reisten trotzdem von Quellón direkt weiter nach Castro, der dritt ältesten Stadt in Chile. Hier fanden wir ein super Hostel in einem Palafito, dem hier typischen Haus auf Stelzen im Wasser. Heimelig gebaut, mit viel Holz, einer schönen Sicht auf den Fjord - ein Ort zum geniessen nach der Carretera Austral. Am darauffolgenden Tag mieteten wir ein Auto und erkundeten die vorgelagerten Inseln. Die Region ist bekannt für ihre Holzkirchen, welche UNESCO Weltkulturerbe sind. In Achao besichtigten wir eine der Schönsten - echt eindrücklich. Die Insel selbst war ebenfalls einen Besuch wert, etwas verschlafen, jedoch schön am Meer gelegen, grüne Weiden, Holzhäuser, freundliche Leute. Wir beschlossen, selbst Znacht zu kochen und kauften uns auf dem Markt 1.4kg frisches Lachsfilet für etwa 6 Fr - Wahnsinn! Von der Insel aus hatten wir einen super Blick auf die etwa 100km entfernten Vulkane Calbuco und Osorno - wir spielten mit dem Gedanken, den Osorno zu erklimmen. Zu dem Zeitpunkt war beim Calbuco noch alles ruhig. Wir fuhren zurück und anschliessend noch an die Pazifikküste. Leicht vernebelt von der starken Brandung hatte der Spaziergang dem Strand entlang etwas mystisches. Wir warteten vergeblich auf einen schönen Sonnenuntergang - zuviel Wolken hatte es am Horizont. Zurück im Hotel wurde tüchtig gekocht: Spaghetti, Mangold mit Zwiebeln, Speck und Champignons, und ein riesiges Stück Lachs mit Zitronenbutter. Zum Dessert gebratene Apfelschnitze - ein Gedicht!:-) Wir erfuhren auch, dass der Vulkan Calbuco ausgebrochen sei, etwa eine Stunde nachdem wir die Insel mit der guten Aussicht auf den Vulkan verlassen hatten. Da hatten wir ja schön Pech! Die Strasse nach Bariloche ist nun nämlich gesperrt, in der nächst grösseren Stadt Puerto Montt herrscht Ausgangssperre. Die Behörden erwarten einen bis zu 1m hohen Aschenteppich um den Vulkan, je nach Windrichtung. Unsere Reisegruppe trennte sich am nächsten Tag. Martin ging weiter nach Ancud, Michaela reiste nach Valdivia und wir versuchten uns in eine gute Ausgangsposition für die Weiterreise nach Bariloche zu bringen und fuhren nach Osorno. Da wussten wir noch nicht, dass Bariloche ebenfalls eine Ausgangssperre hat und die Schulen bis auf weiteres geschlossen sind. Offenbar bläst der Wind die Asche nach Argentinien. Bariloche ist daher leider vorerst keine Option, es fahren auch keine Busse. Wir gehen daher weiter nördlich nach Pucón, wo es auch schön sein sollte und hoffen, dass sich der Vulkan bald wieder schlafen legt... 

Carretera Austral - Coyhaique bis Chaitén, 17.04 - 21.04.15

Wir hätten gerne die Carretera Austral vom Anfang in Villa O'Higgins bis nach Puerto Montt befahren - 1'200km durch schönste Natur, vorbei an Fjorden und Seen, wilden Hängegletschern und kaum bestiegenen Berggipfeln. So stelle ich mir einen perfekten Road Trip vor -  aber noch sind die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs ziemlich unregelmässig bis gar nicht vorhanden und die Automieten, vor allem deren Einweggebühren, sehr teuer. Wir beschränkten uns daher auf den Abschnitt von Cruce El Maitén (nahe bei Puerto Guadal) bis nach Chaitén. Nachdem wir die ersten beiden Tage bei schönem Wetter super Ausblicke auf den Lago General Carrera genossen hatten, holte uns in Coyhaique das typische Pazifik-Wetter ein - es regnete ununterbrochen. Deshalb entschieden wir uns mit Michaela, unserem "Reisegspähnli" aus München, gleich nach Puyuhuapi weiter zu reisen. Puyuhuapi wurde von deutschen Auswanderern gegründet und liegt schön an einem Fjord. Heute ist es vor allem bekannt für seine Thermen. Am Busbahnhof angekommen trafen wir auf viele bekannte Gesichter. Viele Backpacker sind zu dieser Jahreszeit nicht unterwegs, aber diejenigen, die unterwegs sind, die trifft man meist nicht nur einmal. So trafen wir auch Andrea und Bijan wieder (wir hatten mit ihnen bereits die Grenze in Los Antiguos überquert) mit denen wir für die nächsten Tage ein 5er Reisegespann bildeten. Von Coyhaique gings in fünf Stunden mit dem Bus nach Puyuhuapi. Die Region ist aufgrund der Nähe zur Pazifikküste geprägt von einem subarktischen Regenwald - dichte Wälder, mannshohe Farne, viele Flüsse aber auch Gletscher. Als wir in Puyuhuapi ankamen war Stromausfall und wir dachten zuerst mal alles sei geschlossen. War zum Glück nicht der Fall, wir fanden nach kurzer Zeit trotzdem eine Cabaña. Das kulinarische Angebot an der Carretera Austral ist teilweise ziemlich eingeschränkt, daher kochten wir für alle gleich "daheim". Am nächsten Tag wanderten wir zu den Thermen hin und zurück und wurden von Regen ziemlich verschont. Die Thermen waren super - das perfekte Programm für einen wolkenverhangenen Tag. Wir wechselten ab zwischen Abkühlung im Meer (9 Grad!) und den verschiedenen heissen Pools und sahen dabei den Delphinen zu, die im Fjord herum schwammen. Zurück im Dorf hatte kein einziges Restaurant geöffnet - gibt es so was überhaupt noch? Wir schlugen die Zeit tot, was zu fünf viel besser geht als zu zweit - das Dorf hatte nämlich sogar einen Open-Air Fitnesspark:-) Abends fuhren wir mit dem Bus weiter nach La Junta, von wo es nach Chaitén weitergeht. Während zwei Stunden blockierte jedoch ein Steinschlag die Strasse, so war es bereits spät als wir in La Junta ankamen. Wir nahmen die erst beste Übernachtungsmöglichkeit, ein ziemlich heruntergekommenes Hostel und waren wieder einmal froh um unseren Schlafsäcke (....nicht bloss wegen der Kälte). Nachdem wir am Morgen darauf in Chaitén angekommen waren fuhren wir gleich noch zum Vulkan Chaitén weiter, welcher 30km ausserhalb liegt. Der Vulkan ist 2008 ausgebrochen und hat das Dorf und die Region ziemlich verwüstet. Heute ist das Dorf wieder bewohnt und der Vulkan ruhig. Es gibt einen schönen Wanderweg hoch zum ersten Kraterrand. Speziell an diesem Vulkan ist, dass im Krater ein weiterer Vulkan steht der ebenfalls einen Krater hat und den ersten Kraterrand überragt. Der innere Vulkan raucht immer noch vor sich hin und es gab tolle Fotos von der bizarr wirkenden Landschaft. Abends in unserem Hostel Don Quijote bekamen wir von chilenischen Fischfarmarbeitern frischen Fisch zum Probieren serviert und Stephan und ich plauderten bei einem Glas Wein mit den drei Berufstauchern über das Fischen, den Lachs, Chile und Schweizer Sackmesser:-) Dann hiess es Abschied nehmen von Andrea, Bijan und von der Carretera Austral, denn Michaela und wir hatten die Weiterfahrt mit der Fähre nach Quellón auf Chiloe gebucht. Die Gegend zeigte sich nochmals von der besten Seite als wir mit der Naviera Austral ablegten. Vor allem der Vulkan Corcovado mit seinem matterhornmässigen Aussehen hat es uns angetan - aber ja, ganz abgeschlossen haben wir mit der Carretera Austral nicht. Irgendwann kommen wir hierhin zurück, und dann mit einem eigenen fahrbaren Untersatz!

Catedral de Mármol - Puerto Tranquillo, 16.4. - 19.4.15

Wir sind wieder in Chile! Von El Chaltén gings über Nacht in einem Bus 11h Richtung Norden nach Los Antiguos, eine Grenzstadt am Lago Buenos Aires. Der Bus war gerammelt voll, es war der letzte Bus der Saison und alle Backpacker flüchteten vor der Winterpause. Entsprechend stickig wars im Bus, besonders als alle Hardcoretrekker die Schuhe auszogen... :-)
In Los Antiguos dann die Ernüchterung - auch hier war Winterpause, kein Bus fuhr nach Chile und der Zoll in Chile sei eh am streiken. Wir versuchten trotzdem unser Glück. Zusammen mit drei weiteren Touris nahmen wir uns ein Taxi zur argentinischen Grenze. Von da gings zu Fuss 6km zur chilenischen Grenze, wo die Leute am streiken waren. Wir warteten 2h, bis sich ein paar Grenzbeamte aufrafften, unser Gepäck kontrollierten und den Einreisestempel gaben. Weitere 6km ging es durch dünn besideltes Land nach Chile Chico, der chilenischen Grenzstadt. Etwa 4km zu Fuss, dann nahm uns ein Pickup mit ins Zentrum. Auch hier streikten alle öffentlichen Büros inklusive Touristeninformation. Wir fragten uns durch und erfuhren, dass heute kein Boot nach Puerto Ibañez fährt, nur ein Bus nach Puerto Tranquillo von wo am nächsten Tag ein weiterer Bus nach Coyhaique fahren soll. Der Bus fahre jedoch nur, wenn genügend Leute da seien - 10 müssen es sein. Glücklicherweise fanden wir den Bus schon vor der offiziellen Abfahrtszeit und konnten gleich unser Gepäck im Bus deponieren und uns so einen Platz sichern. Der Bus war nämlich um 16 Uhr gerammelt voll und konnte gar nicht alle Leute mitnehmen, offiziell hatten 20 Personen Platz, mit 26 gings los über eine wunderschöne Strecke dem See entlang in Richtung Carretera Austral. Die Vegetation war karg, der See tiefblau - die Gauchos trieben auf ihren Pferden die Rinder zusammen, alle typisch mit Béret und Wollenpullover bekleidet. Es war  malerisch! Als wir gegen 21 Uhr in Puerto Tranquillo eintrafen war ich schon etwas nervös, ob wir in diesem Kaff alle eine Unterkunft finden würden. Doch kein Problem, wir wurden bereits von zwei Gastmüttern erwartet, die uns Touristen geschlossen in Empfang nahmen und uns gleich in zwei Ferienwohnungen aufteilten. Es wurde sogar schön eingefeuert, es gab frische Birnen aus dem Garten und es hatte alles, was man brauchte - vor allem eine warme Dusche. :-)
Am nächsten Morgen bemerkte ich mit Schrecken, dass ich am Vorabend meine Kamera in einem Restaurant habe liegen lassen. Ich solle mir keine Sorgen machen, hiess es. Da kenne sich jeder, ich könne sie einfach im Restaurant nach unserem Ausflug abholen gehen. Mit mulmigem Gefühl stiegen wir in ein Fischerboot und fuhren zu der Catedral de Mármol. In dieser Region gibt es Marmor, welcher vom Wasser im See ausgewaschen wurde. Es entstanden super Gesteinsformationen, Tunnels und auch eine Katedrale und eine Kapelle "de Mármol", zwei unterspülte Felsbrocken im See. Grossartig! Zwei Stunden kurvten wir mit dem Boot um die Felsen und meine Kamera fehlte mir. Zurück im Dorf war das Restaurant immer noch geschlossen - ich bekam aber einen Tipp in welchem Haus ich die Kamera abholen kann. Und prompt, ein Typ öffnete die Tür und als er mich sah holte er gleich die Kamera hervor! Schwein gehabt, die Fotos sind gerettet! ;-)
Mit einem etwas grösseren Bus ging es um 12 Uhr weiter nach Coyhaique, der grössten Stadt in der Region. Angekommen, meinte eine ältere Frau und Mitpassagierin zu uns, sie habe ein Hostel, nahe vom Busbahnhof gelegen. Die Lage war super, die Zimmer einfach aber tiptop - das ging ja wieder einfach. Mit etwas Spanisch stehen einem viele Türen offen hier in Patagonien!

Torres del Paine National Park, 03.04. - 07.04.15

So, mein lieber Toni, nun ist die Zeit gekommen, dich etwas neidisch zu machen - wir sind in Patagonien angekommen! Von Ushuaia gings per Bus in 13h nach Punta Arenas in Chile, und von da am nächsten Tag gleich weiter nach Puerto Natales - dem Ausgangspunkt zum Torres del Paine Nationalpark. Wir wurden mit patagonischem Wetter begrüsst, so wie du es immer geschildert hast. Es war kalt, der Wind peitschte durch die Strassen, Schneeregen wechselte sich mit Sonnenstrahlen ab. Nicht wirklich die Konditionen, welche wir uns zum Trekken wünschten. Aber hier sind wir nun, und wir wollen Patagonien ja auch erleben. Pablo, der Besitzer unserer Pension La Morocha, gab uns gute Tips um die nötigen Infos über den Nationalpark zu bekommen. Am Nachmittag besuchten wir die Agenturen und erfuhren, dass das "O", die grosse Runde, aktuell nicht möglich sei da der Schnee auf dem höchsten Pass hüfthoch liegt. Wir deckten uns daher mit Food und Gas für 5 Tage ein, so dass wir das unter Trekker beliebte "W" machen können. Mit Aussicht auf 5 Tage Crackers und Pasta gingen wir in Puerto Natales fein Znacht essen. Am nächsten Morgen regnete es noch immer als wir zu Fuss zum Busbahnhof gingen. Es sind nämlich nochmals 180km zum Parkeingang - die Distanzen hier sind riesig. Die Landschaft war frisch verschneit, sogar auf der Strasse lag Schnee. Als wir beim Ausgangspunkt eintrafen, bliess ein starker Wind, jedoch nur noch die fernen Gipfel waren in den Wolken, sonst war der Himmel klar. Wir machten uns zu Fuss auf die 17km zum Refugio Paine Grande, wo es auch einen Zeltplatz hat. Mehrheitlich flach ging es über goldene Wiesen. Die wenigen Bäume, die es hatte waren gedrungen und vom Wind gezeichnet. Die Blätter waren klein um keine Angriffsfläche zu bieten und schon herbstlich verfärbt. Nach zwei Stunden wechselte Ursina die Schuhe - und wanderte mit meinen Crocs weiter. Bereits machen sich bei ihr erste Blasen bemerkbar. Der Weg war zum Glück gut, nur einmal musste ich Ursina huckepack über eine Sumpfpassage tragen. :-) Der letzte Teil des Weges folgte dem Lago Penhoé, welcher türkisfarben leuchtete. Im Hintergrund standen die wilden Granittürme in Wolken gehüllt - die Szenerie war echt atemberaubend! Unser Zelt stellten wir möglichst windgeschützt auf und trotzdem befürchtete ich wärend der ersten Nacht dauernd, dass die Zeltwand reisst. Wir wissen nun aber, dass unser Zelt zurecht als Expeditionszelt verkauft wird und den Wind locker wegsteckt! ;-) Am zweiten Tag blieben wir auf dem selben Camping und wanderten zum Aussichtspunkt nahe des Refugio Grey, wo man einen schönen Blick auf den Glaciar Grey hat. Wir haben ja schon viele Gletscher gesehen, die Dimensionen dieses Gletschers sind jedoch echt eindrücklich. Das Wetter wurde immer besser, und gegen Abend waren auch die Gipfel wolkenfrei - die Abendstimmung war genial. Am dritten Tag gings mit vollem Gepäck weiter zum Campo Italiano, wo wir unser Gepäck deponierten und leicht ins Valle Frances aufstiegen. Wir sahen Kondore kreisen, hatten einen super Blick auf die Hängegletscher vom Cerro Paine Grande und auf die wilden Granitpfeiler der Cuernos del Paine. Keine Wolke am Himmel, kein Lüftchen wehte - ein Traumtag! Wir übernachteten im Zelt beim Refugio los Cuernos. Um halb 12 in der Nacht erwachte Ursina - etwas knabberte an unserem Zelt. Sobald wir die Stirnlampe anknipsten war es wieder leise. Hungrige Mäuse versuchten an unsere Vorräte zu kommen! Als bekannter Tannenheer habe ich unseren Vorrat gut versteckt, jedoch liessen sich die Mäusenasen nicht täuschen. Kurzerhand hängten wir die Rucksäcke und den Food hoch in die Bäume - daraufhin war es ruhig. Die Mäuse zogen weiter - beim Nachbar frassen sie ein Loch in den Rucksack und durch die Klamotten durch - offenbar war der rässe Geschmack der alten Socken unwiderstehlich! Dabei ist es ausdrücklich verboten, die Tiere im Park zu füttern! :-) 
Am vierten Tag wanderten wir zum Rifugio Chileno. Ursina hatte mittlerweilen an jedem zweiten Zeh und an den Fersen Blasen und litt bei jedem Schritt. Daher stand ich am nächsten Morgen alleine um 5:45 auf und machte mich auf den Weg zum Mirador Las Torres. Wiedermal waren die Zeitangaben auf unserer Karte zu grosszügig, noch im Dunkeln erreichte ich den Aussichtspunkt und wartete frierend auf den Sonnenaufgang. Wie die "drei Zinnen" in den Dolomiten standen sie da, die Torres del Paine. Ich war bereit für das perfekte Foto, doch nach einem kurzen Morgenrot war der Zauber vorbei, die Sonne verschwand hinter einer Wolkenwand - schade, der Aufwand lohnte sich aber trotzdem. Ich spurtete zurück und war rechtzeitig zum Frühstück bei Ursina. Die letzte Etappe führte zum Hotel las Torres von wo wir mit dem Bus zurück nach Puerto Natales in unser Hostal fuhren. Der Trek war echt wunderschön, wir wurden mit Wetter für Patagonienanfänger verwöhnt - das gibt Lust auf mehr! Wir fahren nun nach El Calafate in Argentinien und von da weiter in den Parque National de las Glaciares, wo wir uns nochmals zu Fuss mit Zelt auf den Weg machen wollen - bis dahin sind die Füsse von Ursina hoffentlich wieder heil!